Live Chat 030 5683 73070
Das Patientenservice Team ist jetzt erreichbar: Mo-Fr 09:00-19:00
  • 100% DiskretionVertrauliche Beratung & neutrale Verpackung
  • Original Markenmedikamentevon unserer in der EU registrierten Apotheke
  • Keine versteckten GebührenAlle Preise enthalten Lieferung
  • Expressversand24 Stunden Versand

Wie wirkt sich Nikotin auf den Körper aus?

Das mit der Nikotinabhängigkeit verbundene Tabakrauchen ist die häufigste, vermeidbare Todesursache der westlichen Welt. Obwohl etliche Aufklärungskampagnen über die Schädlichkeit des Tabakrauchens gestartet wurden und Rauchen gesellschaftlich immer mehr verpönt ist, rauchen über ein Viertel der erwachsenen deutschen Bevölkerung.

Vielen Rauchern ist bewusst, dass ihr Tabakkonsum schwere gesundheitliche Folgen hat. Zusätzlich prangen auf Zigarettenschachteln nun "Abschreck-Bildchen", deren Inhalt die dramatischen Folgen des Konsums sind. Zum Beispiel sollen das Bild von einem Kindersarg ("Rauchen kann Ihr ungeborenes Kind töten") oder das eines Tracheostomas (künstlicher Zugang zur Luftröhre) das Bewusstsein für Spätfolgen wecken. Die meisten Raucher scheinen davon unbeeindruckt zu bleiben, denn mit ursächlich für das Beibehalten der "schlechten Angewohnheit" ist die Nikotinsucht und die Angst vor Entzugserscheinungen.

Was ist Nikotin?

Nikotin ist ein gut in Wasser lösliches Alkaloid, das 1828 zuerst von den Deutschen Christian Wilhelm Posselt (Mediziner) und Karl Ludwig Reimann (Chemiker) extrahiert und nach dem französischen Botschafter Jean Nicot de Villemain, der 1560 die Tabaksamen zur medizinischen Verwendung an den französischen König schickte, benannt wurde. In alkalischem Milieu (Medien mit hohem pH-Wert) hat Nikotin lipophile ("Fett liebende") Eigenschaften, die der Grund dafür sind, dass Nikotin leicht Zellmembranen durchwandern und die Blut-Hirn-Schranke überwinden kann.

Strukturformel von Nikotin

Nicht nur Tabakpflanzen produzieren Nikotin, sondern auch andere Nachtschattengewächse. Das Nikotin dient als Insektizid zur Abwehr von Fressfeinden. Früher wurde Nikotin als Pestizid eingesetzt. Seine Verwendung ist mittlerweile aufgrund der Giftigkeit verboten. Im menschlichen Körper wird Nikotin in der Leber abgebaut.

Dabei entsteht unter anderem das Abbauprodukt Cotinin, das im Blut zur Bestimmung der Nikotinaufnahme in letzter Zeit bestimmt werden kann. Die Ausscheidung des umgewandelten Nikotins findet über Galle, Speichel, Schweiß und Urin statt, wobei über die Nieren auch unverändertes Nikotin ausgeschieden wird.

Nikotinische Acetylcholin-Rezeptoren im menschlichen Körper

An menschlichen Muskel- und Nervenzellen befinden sich nikotinische Acetycholin-Rezeptoren. Sie können, wie durch den Namen ersichtlich, von dem Botenstoff Acetylcholin und von Nikotin sowie nikotinähnlichen Substanzen aktiviert werden. Nach ihrer Aktivierung werden sie durchlässig für Ionen (geladene Teilchen), wodurch weitere Zellen aktiviert werden können.

Die nikotinischen Acetylcholin-Rezeptoren, die an der neuromuskulären Endplatte (Übermittlung des Reizes von Nerv zu Muskelfaser) sitzen, sind gut erforscht, da die Krankheit Myasthenia gravis durch autoimmune Zerstörung dieser Rezeptoren gekennzeichnet ist. Derzeit erregen die nikotinischen Acetylcholin-Rezeptoren vor allem aufgrund ihrer Rolle in Gedächtnis, Lernen, Aufmerksamkeit und Wahrnehmung Aufmerksamkeit und werden in diesem Sinne auch in Hinblick auf die Alzheimer'scher Demenz und ADHS untersucht.

Die pharmakologische Wirkung von Nikotin

Seine pharmakologische Wirkung entfaltet das Nikotin primär über das zentrale Nervensystem und die beiden Gegenspieler Sympathikus und Parasympathikus des vegetativen Nervensystems. Neben diversen Wirkungen auf Psyche und Körper werden weitere Effekte des Nikotins untersucht. Insbesondere der Fragestellung, ob Nikotin krebserregend sei, wird intensiv nachgegangen.

Darüber hinaus wird diskutiert, ob Nikotin auch ohne die schädigenden Substanzen im Tabakrauch Herzkreislauf- und Atemwegserkrankungen sowie Krankheiten des Verdauungstrakts hervorrufen kann. Versuche im Labor sollen hierfür positiv ausfallen, allerdings wird Nikotin immer zusammen mit definitiv schädlichen Substanzen untersucht, die die Erbsubstanz schädigen, reaktive Sauerstoffradikale bilden und zum Untergang von Nervenzellen führen.

Derzeit gibt es keinen Anhalt dafür, dass Nikotin ohne Zusatz von weiteren Giften Krebs erzeugt. In der Krebsbehandlung wird vermutet, dass Nikotin nicht nur die Wundheilung stört, sondern auch das Ansprechen auf Chemo- oder Strahlentherapie verschlechtert.

Nikotin in der Epigenetik

Seit einigen Jahrzehnten stellt die Epigenetik einen wachsenden Bereich der Wissenschaft dar. Dabei geht es einfach formuliert um die Frage, warum manche Gene den einen prägen und den anderen nicht. Zu den Ursachen gehören Methylierung und Acetlyierung der DNA, wodurch Gene an- oder abgeschaltet werden können. In Bezug auf Nikotin steht zur Debatte, ob gerade die DNA Jugendlicher durch die Aufnahme von Nikotin epigenetische Veränderungen erfährt, sodass jugendliche Konsumenten anfälliger für andere Drogen, beispielsweise Kokain, werden.

Weiterhin wird vermutet, dass das körpereigene Belohnungssystem über den Stoff Dopamin in der Jugend empfänglicher für Nikotin sei, woraus eine schnellere Abhängigkeit resultiere. Zudem könne Nikotin bei Jugendlichen die Impulsivität steigern und die Aufmerksamkeitsspanne verringern. Eine andere epigenetische Veränderung soll empfänglicher für Nikotinabhängigkeit machen. Speziell geht es hier um das CYP2A6 Gen, das für das gleichnamige Enzym des Typs Cytochrom P450 kodiert.

CYP2A6 spielt im Abbau verschiedener Medikamente eine wichtige Rolle. Dazu zählen beispielsweise das Schmerzmittel Paracetamol, das Anti-Epilepsie-Mittel Valproinsäure und der Blutverdünner Warfarin. Ebenso läuft der Abbau von Nikotin über dieses Enzym ab. Die Vererbung soll über die Mutter und Großmutter stattfinden.

Nikotin als Gift für Menschen

Nikotin ist nicht nur für Insekten giftig. Wird es einem Menschen direkt verabreicht, kommt es zu Reizungen und einem brennenden Gefühl in Mund und Hals. Die Speichelproduktion wird gesteigert. Es treten Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfälle und Schwindel auf. Bei schweren Vergiftungen kann ein Tremor ("Muskelzittern"), eine Blauverfärbung von Haut und Schleimhäuten (Zyanose) sowie Bewusstseinsstörungen auftreten, die bis hin zu Kollaps und Koma reichen können. Über eine Lähmung der Atemmuskulatur kann der Tod eintreten.

Lange galt als LD50, also die Dosis, bei der 50 % der Menschen sterben würden, eine Menge von 30 bis 60 mg Nikotin. Bei Kindern sogar nur 10 mg. Das würde bedeuten, dass bereits das Verschlucken einer einzigen Zigarette für ein Kind tödliche Auswirkungen haben könnte. Diese Angaben sind allerdings höchst fragwürdig und beziehen sich auf zweifelhafte Selbstversuche, die 1906 von Rudolf Kobert in seinem "Lehrbuch der Intoxikationen" veröffentlicht wurden. Prof. Dr. Mayer der Karl-Franzens-Universität, Graz schätzte die tödliche Dosis auf 0,5 bis 1 g Nikotin.

Physische Auswirkungen von Nikotinkonsum

Nikotin wirkt über das vegetative Nervensystem stark auf den Körper. Die Aktivierung des sogenannten Sympathikus, der den Körper für "fight or flight" ("Kampf oder Flucht") bereitmacht, beschleunigt den Herzschlag und erhöht die Blutmenge, die mit jedem Schlag aus dem Herzen gepumpt wird. Zwei weitere Auswirkungen des Nikotins sind ebenfalls an der Beschleunigung des Herzschlags beteiligt: Die gesteigerte Ausschüttung von Adrenalin und die Freisetzung von Adiuretin (hemmt die Urinproduktion) wirken sich synergistisch aus.

Adrenalin hat darüber hinaus weitere Effekte und erhöht über Verengung der Blutgefäße den Blutdruck. Zusätzlich steigert es den Abbau von Fett und sorgt für einen Gewichtsverlust. Unterstützt wird der Gewichtsverlust durch die Steigerung des Energieverbrauchs des Körpers in Ruhe.

Über den Gegenspieler des Sympathikus, der Parasympathikus genannt wird, fördert Nikotin die Darmaktivität, wodurch es zu Durchfällen kommen kann. Eine weitere mögliche Wirkung ist Übelkeit und Erbrechen durch Erregung des Brechzentrums, das sich im Bereich der Area postrema in der Rautengrube (Fossa rhomboidea) des Hirnstamms befindet. Gerade der erste Zug mündet darum oft in einem Würgereiz oder Erbrechen. Dazu kommt, dass eine Zigarette nicht wohlschmeckend ist und der Geschmack die Übelkeit verstärken kann. Über die Zeit verliert eine Zigarette allerdings die Brechreiz-erregende Wirkung auf den Raucher. Zudem nimmt das Geschmacks- und Geruchsvermögen ab, sodass die Zigarette auch weniger schlecht schmeckt.

Auswirkungen von Nikotin auf den Körper

Des Weiteren beeinflusst Nikotin das Blut, insbesondere fördert es die Blutgerinnung, wodurch sich das Risiko für eine Thrombose erhöht. Nikotin kann Druck-, Schmerz- und Temperatur-Rezeptoren erregen, was in einer erhöhten Empfindlichkeit für Schmerz resultiert. Die Hauttemperatur sinkt nach Nikotinkonsum, was sich auf verengte Blutgefäße in der Haut zurückführen lässt.

Erhöht Nikotin das Risiko für Diabetes mellitus?

Im Tierversuch zog Verabreichung von Nikotin eine Verringerung der beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse nach sich. Die beta-Zellen produzieren das für den Zuckerstoffwechsel unverzichtbare Insulin. Ein Mangel an diesem Hormon ist kennzeichnend für den Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), insbesondere Typ 1.

Ein Diabetes mellitus Typ 1 tritt auf, sobald über 80 % der beta-Zellen durch autoimmune Reaktion oder auf idiopathischem Wege (keine nähere Ursache bekannt) zerstört wurden. Sollte sich diese Wirkung von Nikotin auf den Menschen übertragen lassen, könnte Nikotin das Risiko, an Diabetes mellitus zu erkranken, steigern.

Zusammenhänge zwischen Krebs und Nikotin

Im Verlauf der "Rauch-Schluck-Straße", die Lippen, Mundhöhle, Speise- und Luftröhre, Lungen, Verdauungstrakt und die Harnwege umfasst, ist bei Rauchern ein deutlich erhöhtes Krebsrisiko im Vergleich zu Nichtrauchern festzustellen. Ebenso wird ein erhöhtes Risiko für Krebserkrankungen von Leber, Bauchspeicheldrüse und Brust angenommen. Trotz diverser Versuche konnte bislang kein eindeutiger Beweis einer krebserzeugenden Wirkung von Nikotin erbracht werden.

Möglicherweise könnte Nikotin aber als "Promotor" wirken. Ein Promotor ist eine Substanz, die bei einer bereits genveränderten Zelle das Wachstum begünstigt. Ein Promotor ist kein genverändernder oder krebserzeugender Stoff. Seine Wirkung ist reversibel. Fällt der Promotor weg, wird auch das Wachstum der Zelle nicht mehr gefördert. Hingegen bleibt eine Genmutation nach Wegfallen des krebserregenden Stoffes erhalten.

Psychische Auswirkungen von Nikotin

Die Auswirkungen von Nikotin auf die Psyche können in Bezug auf die einzelnen Botenstoff-Systeme betrachtet werden. Allgemein betrachtet, kann eine Aktivitätssteigerung einzelner Hirnbereiche, insbesondere im präfrontalen Kortex (Hirnrinde der Stirn) und des visuellen Systems beobachtet werden. Die erhöhte Freisetzung von Dopamin sorgt für ein Wohlgefühl und aktiviert über den Nucleus accumbens das Belohnungssystem. Dieser Prozess ist eng mit der Suchtentwicklung gekoppelt. Zusätzlich unterdrückt Dopamin das Hungergefühl.

Die Freisetzung von Noradrenalin dämpft ebenfalls den Appetit und macht darüber hinaus auch wach. Über den Botenstoff Acetylcholin wird nicht nur die Wachheit gefördert, sondern auch die geistige Leistungsfähigkeit. Glutamat wirkt ähnlich, indem es das Lernen begünstigt und das Gedächtnis verbessert.

Auch Serotonin hemmt den Appetit und reguliert darüber hinaus die Stimmung. Je nach Ausgangslage wird Entspannung oder Aufmerksamkeit erzeugt. GABA (gamma-Aminobuttersäure) und beta-Endorphine wirken angstlösend und mindern Gefühle von Stress. Es ist anzunehmen, dass insbesondere aufgrund dieser psychischen Effekte ein Rauchstopp oft misslingt, selbst wenn keine körperliche Abhängigkeit besteht. Nikotin kann gleichermaßen körperlich wie psychisch abhängig machen.

Die Entstehung der Nikotin-Abhängigkeit

Wie im vorherigen Absatz "Psychische Auswirkungen" erwähnt, läuft die Suchtentwicklung mit über das Belohnungssystem. Das Belohnungssystem hat sich in der Evolution bewährt, weil es beispielsweise sexuelle Aktivität und Nahrungsaufnahme mit der Ausschüttung von "Glückshormon" belohnt hat. Diese Tätigkeiten tragen zur Erhaltung der Art bei und sind darum als evolutionär günstig zu betrachten. Allerdings können auch schädliche Dinge vom Belohnungssystem unterstützt werden. Auf diesem Weg kann Abhängigkeit von Drogen wie Nikotin oder Alkohol entstehen.

Entstehung der Nikotinabhängigkeit im Gehirn

Im Gehirn verlaufen Nervenfasern der sogenannten Area tegmentalis ventralis zum Nucleus accumbens und über die Ausschüttung von Dopamin wird eine euphorisierende Wirkung erzielt. Ähnlich wie der Pawlow'sche Hund, der den Klang einer Glocke immer mit Futter assoziierte und darum deutlichen Speichelfluss zeigte, auch wenn der Ton ohne Futter angeboten wurde, reagiert nun der Mensch auf den Effekt des Nikotins. Rauchen wird mit einem starken Wohlgefühl verbunden, was dazu verleitet, die Handlung zu wiederholen und erneut Nikotin aufzunehmen.

Problematisch ist allerdings, dass die Rezeptoren mit der Zeit weniger empfindlich werden, sodass häufiger und mehr Nikotin aufgenommen werden muss, um einen gleichwertigen Effekt zu erzielen und Entzugssymptome zu vermeiden. Das starke Verlangen nach der Substanz, bezüglich der eine Abhängigkeit besteht, bezeichnet man als "craving". Kommt es nicht zur Suchtbefriedigung, können sich Symptome wie Aggressivität, Frust, Angst, missmutige Verstimmung und Konzentrationsstörungen einstellen, die bei Nikotinverzicht etwa eine bis vier Wochen anhalten. In Ausnahmefällen bleiben die Symptome mehrere Monate lang bestehen.

Veränderungen des Gehirns durch Nikotin

Zusätzlich wurde festgestellt, dass sich das Gehirn unter Zufuhr von Nikotin verändert. So fiel sowohl nach einmaliger als auch nach wiederholter Nikotinzufuhr bei Ratten die Synthese von Serotonin im Hippocampus geringer aus. Der Hippocampus gehört zum limbischen System und ist Teil der Formatio hippocampi, die an der Gedächtnisbildung teilhat. Bestätigt werden konnte dies bei Messungen der Serotonin-Ausschüttung bei Rauchern, die ebenfalls geringer ausfiel als bei Nichtrauchern.

Als Reaktion auf das verminderte Serotonin-Angebot, das immer nur kurz durch das Rauchen gesteigert wurde, bildeten sich bei Rauchern mehr Rezeptoren für Serotonin im gesamten Bereich der Hippocampusformation. Auf diese Weise soll das knappe Serotonin zur Gänze ausgenutzt werden. Allerdings resultiert die höhere Dichte an Rezeptoren wiederum in einer Verminderung der Serotonin-Produktion. Um dies zu kompensieren, greift der Raucher erneut zur Zigarette, bis sich nach einigen Jahren ein stabiles Rauchverhalten herausgebildet hat, das im Durchschnitt bei 15 bis 30 Zigaretten pro Tag liegt. Dieser Wert kann unter den Rauchern erheblich schwanken.

Nikotinabhängigkeit und psychiatrische Krankheitsbilder

Psychisch erkrankte Menschen rauchen deutlich häufiger als psychisch gesunde. Bei Alkohol- und Drogenabhängigen sowie Schizophrenie-Kranken ist die Anzahl der Raucher zwei- bis dreimal so hoch wie in der vergleichbaren gesunden Bevölkerung. An einer Depression leidende Menschen rauchen immer noch doppelt so häufig wie Gesunde. Der Grund dafür könnte sein, dass Rauchen einen antidepressiven Effekt hat und es sich beim Nikotinkonsum um eine Art Selbstmedikation handelt.

Besonders die Wirkung auf das Serotonin-System spielt eine wichtige Rolle bei der Depression sowie bei Angst- und Zwangsstörungen. Nikotin lindert in diesem Zusammenhang die Auswirkungen der psychischen Krankheit. Das deckt sich mit den Rückfallraten von psychisch erkrankten Rauchern im Vergleich zu gesunden: Drei Viertel der Raucher, die zuvor eine schwere Depression erlitten hatten, entwickelten stark beeinträchtigende, depressive Entzugssymptome - wohingegen vergleichbare Symptome nur bei 30 % der Gesunden auftraten.

Bei der Schizophrenie konnte Nikotinkonsum die Negativsymptome (Antriebsminderung, sozialer Rückzug, Affektverflachung) positiv beeinflussen. Gleichsam konnten Einschränkungen der geistigen Leistungsfähigkeit, die auch durch die Behandlung der Schizophrenie mit Antipsychotika entstehen können, durch Nikotin gebessert werden. Zentral für die Schizophrenie ist eine Störung des Dopamin-Systems, in das Nikotin eingreift.

Nikotin und Morbus Parkinson

Ebenso entsteht der Morbus Parkinson durch eine Störung des Dopamin-Systems: Nervenzellen in der sogenannten Substantia nigra ("schwarze Substanz" aufgrund ihrer schwärzlichen Färbung) und des Locus coeruleus gehen bei dieser neurodegenerativen Erkrankung zugrunde und erzeugen so einen Dopamin-Mangel an den Dopaminrezeptoren des Striatums.

Das Striatum ist Teil der Basalganglien, die für das Ausmaß, die Richtung, die Kraft und die Geschwindigkeit von Bewegungen zuständig sind. Parkinson-Patienten fallen durch eine Steifheit der Muskulatur, Bewegungsarmut (insbesondere verminderte Mimik und kleinschrittiges Gangbild) und einen feinschlägigen Ruhe-Tremor ("Muskelzittern" üblicherweise eines Arms), der bei Initiation einer Bewegung versiegt, auf. Balfour und Fagerström (1996) konnten feststellen, dass Parkinson-Patienten nach Nikotinzuführung kurzfristig eine Linderung ihrer Beschwerden erfuhren. Nikotin scheint also die Dopamin-Ausschüttung zu verbessern. Dabei wäre allerdings zu beachten, dass im Verlauf einer Parkinson-Krankheit immer weniger Dopamin ausgeschüttet werden kann, wodurch auch der Effekt von Nikotin immer mehr abnehmen müsste.

Zwischen Angewohnheit und Nikotinabhängigkeit

Das Suchtpotenzial von Nikotin ist groß, insbesondere bei inhalativer Aufnahme und dem folgenden "Kick" bei raschem Anfluten im Gehirn. In einem Report des US Surgeon General von 2010, Regina M. Benjamin, MD, wird das Abhängigkeitspotenzial von Nikotin dem von Kokain und Heroin gleichgesetzt. Dagegen jedoch sprechen die Sucht-Surveys von 2006 in Berlin und von 2009 in Hamburg.

Der Sucht-Survey 2006 ermittelte mit dem Fagerström-Test die Rate der Nikotinsüchtigen unter den Rauchern. Die Auswertung ergab, dass nur 37,2 % wirklich nikotinsüchtig waren. Drei Jahre später wurde in Hamburg mittels DSM-IV-Test ein ähnliches Ergebnis erzielt, wonach die meisten Raucher, hier beziffert mit 76,4 %, nicht nikotinsüchtig waren. Ist das Rauchen zwecks Nikotinkonsum also weniger eine Sucht als vielmehr eine Angewohnheit?

In jedem Fall bestätigt diese Kontroverse das Prinzip der Raucherentwöhnung, bei dem ein Konzept für den individuellen Patienten erstellt wird. So würde eine Nikotinersatztherapie mit Nikotin-Pflastern, -Kaugummis oder -Nasensprays sowie Medikamenten gegen Entzugssymptome eine sinnvolle Maßnahme bei Süchtigen darstellen, bei Nicht-Süchtigen könnten beispielsweise Verhaltenstherapien im Vordergrund stehen.

Auswirkungen des Nikotinentzugs

Wird einem Nikotinsüchtigen die Droge entzogen, treten vereinfacht gesagt alle gegenteiligen Wirkungen des Nikotins als Entzugssymptome auf. Psychisch sind dies vor allem:

  • Unruhe,
  • Konzentrationsprobleme,
  • Niedergeschlagenheit,
  • Reizbarkeit und
  • eine niedrige Frustrationsschwelle.

Physisch kommt es zu einem gesteigerten Appetit und Gewichtszunahme. Gerade dieser Punkt könnte gerade bei Frauen ein Grund dafür sein, dass sie das Rauchen nicht aufgeben möchten oder ein Rauchstopp mit großen Ängsten verbunden ist. Zur Reduktion von Entzugssymptomen können bei entsprechender Schwere Medikamente eingesetzt werden.

Medikamente zur Linderung der Entzugserscheinungen und Raucherentwöhnunh

Als Beispiel sei an dieser Stelle Vareniclin genannt. Bei Vareniclin handelt es sich um einen Stoff, der ebenfalls an Nikotinrezeptoren andocken kann. Vareniclin imitiert die Wirkung von Nikotin und blockiert dadurch dessen Auswirkungen. Vareniclin ist in dem verschreibungspflichtigen Medikament Champix enthalten. Konsumiert ein Raucher während der Einnahme von Champix weiterhin Nikotin, wird der Belohnungseffekt von Nikotin auf das zentrale Nervensystem gedämpft und die Zigarette "schmeckt" nicht mehr.

Allerdings kann die Einnahme von Vareniclin mit unangenehmen Begleiterscheinungen einhergehen. Als Nebenwirkungen von Champix können Übelkeit, Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Magendarmbeschwerden auftreten. Aufgrund möglicher Effekte auf das Herzkreislaufsystem darf Vareniclin nicht von Patienten mit bekannten Vorerkrankungen des Herzens eingenommen werden.Es besteht bei dieser Patientengruppe das Risiko eines Herzinfarkts oder einer Herzrhythmusstörung durch Einnahme von Vareniclin. Eine Anwendung bei psychisch erkrankten Patienten verbietet sich ebenfalls, da Vareniclin Selbstmordversuche auslösen kann.

Sind E-Zigaretten ungefährlicher als herkömmliche Zigaretten?

E-Zigaretten werden derzeit kontrovers diskutiert. Fest steht, dass der Dampf der E-Zigaretten weniger krebserregende und giftige Stoffe als der Tabakrauch enthält. Insofern sind E-Zigaretten "gesünder" als das herkömmliche Tabakrauchen. Dies lenkt die Aufmerksamkeit jedoch zusehends auf die Frage, ob das Nikotin selbst - unabhängig von dessen Abhängigkeitspotenzial - ein Gesundheitsrisiko darstellt.

Der Meinung der Mehrheit der Wissenschaftler nach fördert Nikotin weder die Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) noch Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Grundlage sind vorwiegend Nikotinersatzstudien zum Rauchverzicht. Dennoch existieren Laborversuche, in denen ein Risiko für solche Erkrankungen auffällig wurde. Es bleibt abzuwarten, ob und auf welche Art E-Zigaretten langfristig gesundheitsschädlich sind. Bedenklich ist neben dem Nikotin vor allem der Inhaltsstoff Propylenglykol.

Ein kontroverser Fall: Glyzerin-bedingte lipoide Lungenentzündung?

Glyzerin ist als Vernebelungsmittel in den Liquids für E-Zigaretten enthalten. Darüber hinaus ist es auch in etlichen Nahrungsmitteln und sogar im menschlichen Körper in natürlichen Fetten vorhanden. Es ist Zwischenprodukt in etlichen Stoffwechselprozessen. In der Medizin findet Glyzerin Anwendung in der Therapie des Hirnödems oder als Abführmittel. Die orale Aufnahme gilt als unbedenklich.

Dennoch berichtete das Fachjournal Chest von einer 42-jährigen Patientin, die bereits seit sieben Monaten unter Luftnot, produktivem Husten und Fieber litt. Ebenfalls vor sieben Monaten begann die Patienten das "Dampfen", wie das Verwenden von E-Zigaretten oft genannt wird. Bei der Patientin wurde eine Lungenentzündung diagnostiziert. Diverse Antibiotika zeigten keine Wirkung.

Nachdem die Patientin allerdings aufhörte, E-Zigaretten zu benutzen, verschwanden sämtliche Symptome wieder. Der Artikel wurde mit "An Unexpected Consequence of Electronic Cigarette Use" ("Eine unerwartete Folge der Benutzung von E-Zigaretten") betitelt. Wenig unerwartet waren die Reaktionen auf die Fall-Schilderung: Betont wird, dass eine lipoide Lungenentzündung durch das Einatmen von Ölen hervorgerufen wird. Glycerin ist aber kein Öl, sondern ein Alkohol. Glycerin kann folglich als Verursacher der Lungenentzündung ausgeschlossen werden. Sogar die DKFZ sah ihren Irrtum ein, als sie ein Verbot von E-Zigaretten aufgrund des Glyzerins verlangte und änderte den entsprechenden Abschnitt ihrer Informationsbroschüre.

Propylenglykol bildet giftige Gase bei Erhitzung

Propylenglykol ist ein Hauptbestandteil jeden Liquids und dient als Vernebelungsmittel. Im Sicherheitsdatenblatt zu Propylenglykol lässt sich der Hinweis finden, dass bei Erhitzen der Substanz die Bildung giftiger Gase möglich ist, die nicht inhaliert werden sollten. Ein wenig paradox erscheint in diesem Sinne die Verwendung in den Liquids.

Studien stellten eine Reizung von Augen, Rachen und Atemwegen fest und ließen ein erhöhtes Asthmarisiko bei Kindern vermuten. Allerdings muss bedacht werden, dass Nikotin selbst bereits atemwegsverengend wirkt. Welchen Anteil an den Symptomen Propylenglykol hat, ist Gegenstand weiterer Diskussion. Zum Teil warnen Hersteller allerdings, dass E-Zigaretten nicht bei vorgeschädigten Atemwegen verwendet werden sollten.

Insbesondere gelte dies für Patienten mit COPD (chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung), Asthma bronchiale, Bronchitis (Entzündung der Bronchien) und Lungenentzündung. Diese Warnung wäre wiederum bedeutsam für Raucher, die über die E-Zigarette den Rauchstopp schaffen wollen: Viele Raucher haben geschädigte Atemwege und könnten E-Zigaretten nicht als Nikotinersatz verwenden.

Krebserzeugende Substanzen konnten in E-Zigaretten nachgewiesen werden

Immer wieder warnen Artikel von krebserregenden Stoffen in E-Zigaretten. Nachgewiesen wurden in der FDA-Studie beispielsweise Nitrosamine, bei denen es sich in der Tat um krebserzeugende Substanzen handelt. Vergleicht man allerdings die Mengen, so stellt sich heraus, dass die Menge an Nitrosaminen in einer E-Zigarette etwa halb so groß ist, wie in einem Liter Bier als noch völlig unbedenklich gilt. Es handelt sich etwa um die Menge, die auch in einer Tomate vorkommt.

Ähnliches gilt für die in der Ausatemluft eines Rauchroboters bestimmte Menge an Aceton, Isopren, Acetaldehyd, Formaldehyd, Essigsäure und Butanon. In der Folge wurde das Dampfen als höchst gefährlich für Nichtdampfer eingestuft, die der Ausatemluft von Dampfern ausgesetzt werden. Eine Studie allerdings, die die Ausatemluft von Nichtrauchern und Nichtdampfern untersucht hat, spürte dieselben Stoffe in der Atemluft auf - und außerdem in höherer Konzentration. Die Gefährdung Dritter durch feine und ultrafeine lungengängige Flüssigkeitspartikel ist demnach als relativ zu betrachten.

E-Zigaretten eignen sich nicht zur Raucherentwöhnung

Der Suchtstoff Nikotin hindert viele Raucher am Rauchstopp. Da ein noch größerer Anteil an Rauchern nach Testergebnissen nicht süchtig nach Nikotin ist, würde das Benutzen einer E-Zigarette die Angewohnheit des Rauchens nachahmen und weiterhin mit Nikotin belohnen. Ob sich eine Angewohnheit auf diese Weise abtrainieren lässt, ist durchaus zweifelhaft. Dennoch berichten manche Ex-Raucher, dass E-Zigaretten ihnen beim Aufhören geholfen haben. Ein Nutzen für einen dauerhaften Rauchstopp ist nicht erwiesen.

Dahingegen leisten Nikotinersatztherapien mit Pflastern oder Kaugummis dasselbe: Sie können ebenfalls das Rauchverlangen und mögliche Entzugssymptome verringern. Zusätzlich fällt die ritualartige Handlung des Rauchens weg. Dies mag gerade zu Beginn schwerer fallen. Dafür kann die Nikotinersatztherapie passgenau dosiert und schrittweise mit konstanten Nikotin-Spiegeln reduziert werden.

Die Warnung bezüglich technischer Mängel und unzuverlässiger Qualität von E-Zigaretten sollte zumindest in Deutschland nicht allzu viel Besorgnis nach sich ziehen, da hier nur Produkte mit CE-Kennzeichen erhältlich sind. Das CE-Kennzeichen gewährleistet elektronische/elektrische Sicherheit.

Argumente, dass es kaum Studien zu E-Zigaretten gäbe, sind wenig gehaltvoll - bereits 2014 ließen sich über 350 wissenschaftliche Arbeiten und Studien finden. Zählte man die Inhaltsstoffe dazu, belief sich die Zahl auf etwa 9000 Quellen, allerdings von zugegeben variabler Qualität. Wirklich noch von Bedarf sind Studien, die sich mit den Langzeitauswirkungen der Verwendung von E-Zigaretten beschäftigen.

In diesem Sinne wären vorerst einige Sicherheitsvorkehrungen sinnvoll: E-Zigaretten sollten als Arzneimittel gehandelt werden. Ihre Inhaltsstoffe und ihr Herstellungsprozess sollten kontrollierten Richtlinien unterliegen. Eine Abgabe an Kinder und Jugendliche sollte verboten sein. Im Rahmen der Nichtraucherschutzgesetze sollten E-Zigaretten (zumindest vorerst) den herkömmlichen Zigaretten gleichgestellt werden.


Quellen:

  1. Pharmacology of nicotine and its therapeutic use in smoking cessation and neurodegenerative disorders., Balfour DJ et al. Pharmacol Ther. 1996;72(1):51-81. URL: ncbi.nlm.nih.gov
  2. Harmful effects of nicotine Aseem Mishra et al. Indian J Med Paediatr Oncol. 2015 Jan-Mar; 36(1): 24–31. URL: ncbi.nlm.nih.gov
  3. An Unexpected Consequence of Electronic Cigarette Use Lindsay McCauley, DO; Chest. 2012. URL: journal.publication.chestnet.org
  4. Nikotin: Pharmakologische Wirkung und Entstehung der Abhängigkeit. Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ). URL: dkfz.de
  5. Nicotine Effects and Addiction. National Cancer Institute; U.S. Department of Health and Human Services. URL: cancercontrol.cancer.gov
  6. How much nicotine kills a human?. Mayer, B. Arch Toxicol (2014) 88: 5. URL: link.springer.com
  7. Nicotine Effects and Addiction. National Cancer Institute; U.S. Department of Health and Human Services. URL: cancercontrol.cancer.gov
  8. Dual role of nicotine in addiction and cognition: A review of neuroimaging studies in humans. Agnes J. Jasinska et al. Neuropharmacology Volume 84, September 2014. URL: sciencedirect.com
  9. How tobacco smoke causes Disease. Centers for Disease and Prevention, US Department of Health & Human Services. URL: cdc.gov

Aktualisiert am: 26.10.2016

Arzneimittel auswählen
Medizinischen Fragebogen ausfüllen
Der Arzt stellt Ihr Rezept aus
Apotheke versendet Ihr Medikament