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Unterscheidung und Klassifikation verschiedener Diabetes-Typen

Im Volksmund wird der Diabetes mellitus als "Zuckerkrankheit" bezeichnet. Übersetzt bedeutet die Erkrankung etwa "honigsüßer Durchfluss", was auf die frühere Diagnostik und das Erkennen eines zentralen Symptoms zurückzuführen ist: Der Urin eines Diabetikers schmeckt süß. Dies liegt an der gesteigerten Zuckerausscheidung über den Urin. Während früher die Geschmacksprobe des Urins den Goldstandard der Diagnostik darstellte, bestehen mittlerweile weniger unangenehme Methoden der Diagnostik. Mittlerweile ist auch bekannt, dass es verschiedene Formen des Diabetes mellitus gibt. Definiert werden vier Typen, die sich insbesondere in ihren Auslösern, aber nichtsdestoweniger auch in ihrer Therapie unterscheiden.

Wie werden Diabetes Typen klassifiziert?

Der Diabetes mellitus wurde in vier Typen eingeteilt, die sich in ihrer Entstehung deutlich voneinander unterscheiden. Am häufigsten ist der Diabetes mellitus Typ 2, insbesondere in Industriestaaten mit "westlichem" Lebensstil. Diesem Lebensstil ist eine gesteigerte Nahrungs- und Kalorienzufuhr sowie eine verminderte körperliche Aktivität zuzuordnen.

Gemeinsam ist allen Diabetes-Typen die chronische Hyperglykämie (dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte) im Rahmen einer Regulationsstörung des Stoffwechsels. Entweder lässt sich die Störung auf eine verminderte Ausschüttung des Hormons Insulin oder eine verminderte Wirksamkeit des Insulins oder beides zurückführen. Die Folgeschäden betreffen bei allen Diabetes-Typen vorwiegend die Augen, die Nieren, das Nervensystem, Herz, Gehirn und periphere Arterien.

Diabetes mellitus Typ 1: eine Autoimmunerkrankung

Der Diabetes mellitus Typ 1 ist überwiegend eine Erkrankung des jungen Menschen und tritt typischerweise im Kindes- und Jugendalter auf. Er ist deutlich seltener als der Typ 2 Diabetes und macht etwa vier bis fünf Prozent aller Diabetes-Erkrankungen aus. Zudem sind geographische Unterschiede auffällig: In den skandinavischen Ländern tritt der Diabetes mellitus Typ 1 wesentlich häufiger auf.

Früher wurde der Diabetes Typ 1 aufgrund seiner frühen Manifestation als juveniler Diabetes bezeichnet. Mittlerweile ist aber der Subtyp LADA (latent autoimmune diabetes in adults) bekannt, bei dem die Entstehungsmechanismen des Diabetes Typ 1 vorliegen, die Krankheit aber erst im Erwachsenenalter ausbricht. Aufgrund seines späten Auftretens kann der Typ LADA leicht mit dem Diabetes mellitus Typ 2 verwechselt werden. Der Typ 1 Diabetes wird unterteilt in A und B: Typ 1a bezeichnet einen immunologisch bedingten Diabetes, wohingegen bei Typ 1b keine Ursache zu finden ist.

Typ 1 Zuckerkrankheit

Die Autoimmunerkrankung Diabetes mellitus Typ 1a

Der immunologisch bedingte Diabetes mellitus Typ 1a ist eine Autoimmunerkrankung. Im Blut können als Krankheitsmarker bestimmte Antikörper gefunden wurden. Diese Antikörper können sich gegen die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse richten (Inselzellantikörper, ICA), wodurch diese Zellen, die Insulin herstellen, zerstört werden. Insulinautoantikörper (IAA) zerstören den Botenstoff Insulin.

Darüber hinaus können auch Enzyme und Transportproteine von Antikörpern zerstört werden: So führen Antikörper gegen die Glutamat-Decarboxylase der beta-Zellen (GAD65A), gegen die dortige Tyrosinphosphatase (IA-2) und gegen den Zink Transporter 8 (ZnT8) ebenfalls zum Diabetes mellitus Typ 1a. Dabei ist zu bemerken, dass ein Diabetes mellitus Typ 1 erst dann ausbricht, wenn mindestens 80 Prozent der Insulin-produzierenden beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse zerstört worden sind.

Diabetes mellitus Typ 1b: Diabetes ohne erkennbare Ursache

In Europa ist der Typ 1b selten. Es handelt sich dabei um einen Typ 1 Diabetes, bei dem keine Ursache zu finden ist, also keine Auto-Antikörper auffindbar sind. Eine solche Krankheit ohne klar aufzuzeigende Ursache wird als "idiopathisch" bezeichnet. Es kommt zu einer Zellzerstörung der beta-Zellen, wodurch ein absoluter Mangel an Insulin resultiert. Aufgrund gehäufter Fälle innerhalb von Blutsverwandten scheint der idiopathische Diabetes mellitus Typ 1b vererbbare Komponenten zu beinhalten.

Diabetes mellitus Typ 2: eine Stoffwechselerkrankung

Auch wenn der Diabetes mellitus Typ 2 im Volksmund gerne noch als "Altersdiabetes" bezeichnet wird, so ist er keineswegs eine Erkrankung des hohen Lebensalters. Aufgrund übermäßiger Nahrungs- und Kalorienaufnahme und Verminderung von körperlicher Aktivität tritt dieser Diabetes-Typ in Industriestaaten mit steigender Prävalenz auch im Jugend- und Kindesalter auf. Dennoch machen Erwachsene und Ältere noch den Großteil der Erkrankten aus. Zudem ist das Risiko für einen Diabetes zum Teil erblich, wenn auch etliche unterschiedliche Gene für die Erkrankung bedeutsam sind.

Der Diabetes mellitus Typ 2 ist eine Erkrankung mit einem Spektrum, das von einem Überwiegen einer Insulin-Unempfindlichkeit der Zellen mit relativem Mangel an Insulin bis zum Vorwiegen einer mangelhaften Ausschüttung von Insulin mit Insulinresistenz reicht. Zumeist ist zu Beginn der Erkrankung eine verminderte Empfindlichkeit des Körpergewebes auf Insulin vorherrschend.

Typ 2 Zuckerkrankheit

Darum produziert die Bauchspeicheldrüse vermehrt Insulin, um diese Unempfindlichkeit zu kompensieren. Durch die übermäßige Produktion erschöpft die Bauchspeicheldrüse nach einiger Zeit und kann nur noch eine unzureichende Menge an Insulin produzieren. So kommt es sekundär auch zu einem Insulinmangel.

Diabetes mellitus Typ 3: ein Sammelbegriff für Diabetes-Formen

Der Diabetes mellitus Typ 3 ist ein Sammelbegriff für etliche Diabetes-Formen mit unterschiedlichem Entstehungsmechanismus. Unterteilt wird der Typ 3 in die Subtypen A bis H, die im Folgenden kurz umrissen werden.

A: genetische Defekte der beta-Zellfunktion

Subtyp A bezeichnet genetisch vererbbare Defekte der beta-Zellfunktion. Es liegt also ein krankes Gen der Krankheitsentstehung zu Grunde. Beispiele hierfür sind MODY (Maturity Onset Diabetes of the Young - juveniler Diabetes mit Manifestation im Erwachsenenalter; diverse Subtypen) und MIDD (Maternally Inherited Diabetes and Deafness - mütterlich vererbter Diabetes und Taubheit).

Beispiele:

  • Chromosom 12, HNF-1alpha (MODY3)
  • Chromosom 7, Glukokinase (MODY2)
  • Chromosom 20, HNF-4alpha (MODY1)
  • mitochondriale DNA (MIDD, Maternally Inherited Diabetes and Deafness)

B: genetische Defekte der Insulinwirkung

Ebenso wie für Typ 3A ist für den Typ 3B ein genetischer Defekt ursächlich. Dieser betrifft jedoch nicht die beta-Zellfunktion, sondern die Wirkung des Insulins. Es besteht eine genetisch verursachte Resistenz oder verminderte Empfindlichkeit gegenüber Insulin.

Beispiele:

  • Insulinresistenz Typ A
  • Leprechaunismus
  • Rabson-Mendenhall-Syndrom
  • Lipatrophischer Diabetes

C: Erkrankungen des exokrinen Pankreas

Als exokrines Pankreas wird der Funktionsanteil des Pankreas (Bauchspeicheldrüse) bezeichnet, der für die Produktion von Enzymen für die Verdauung zuständig ist. Die Produktion von Hormonen wie Insulin und Glukagon gehört zur endokrinen Funktion der Bauchspeicheldrüse. Wenn die Bauchspeicheldrüse geschädigt wird - auch wenn es sich dabei nicht primär um die Insulin-produzierenden Anteile handelt -, ist es möglich, dass die Produktion und Ausschüttung von Insulin in der Folge der Schädigung eingeschränkt wird.

Schädigungen können im Rahmen von Entzündungen und Infektionen, Neubildungen (unter anderem Krebserkrankungen), Unfällen, Operationen und Speichererkrankungen auftreten.

Beispiele:

  • Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung)
  • Trauma/Pankreatektomie
  • Neoplasmen (gutartige oder bösartige Neubildungen)
  • Zystische Fibrose (auch: Mukoviszidose)
  • Hämochromatose (Eisenspeicherkrankheit)
  • Fibrokalzifizierende Pankreatitis

D: Endokrinopathien

Endokrinopathien sind Erkrankungen des hormonellen Systems mit Störung des hormonellen Gleichgewichts. Insulin hat nicht nur die Funktion, die Aufnahme von Zucker in die Zellen zu ermöglichen oder zu erleichtern, sondern steht in Wechselwirkung mit anderen Hormonen wie zum Beispiel Wachstumshormonen. Außerdem wirken sich andere Hormone, beispielsweise Glukokortikoide, die bei Stress ausgeschüttet werden und Zucker ins Blut bereitstellen, auf den Zuckerstoffwechsel aus. Darum sind Regulationsstörungen des Kohlenhydratstoffwechsels bei diversen Endokrinopathien zu beobachten.

Beispiele:

  • Akromegalie
  • Cushing-Syndrom (Überproduktion von Cortisol)
  • Glukagonom
  • Phäochromozytom
  • Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion)
  • Somatostatinom
  • Aldosteronom (primärer Hyperaldosteronismus)

E: medikamentös-toxisch induziert

Gifte und Medikamente können über unterschiedliche Mechanismen einen Diabetes mellitus Typ 3E auslösen. Dazu gehören unter anderem Hormone wie Glukokortikoide und Schilddrüsenhormone, aber auch Vacor, ein Rattengift.

Beispiele:

  • Vacor (Rattengift)
  • Pentamidin
  • Nikotinsäure
  • Glukokortikoide
  • Schilddrüsenhormone
  • Diazoxid
  • beta-adrenerge Agonisten
  • Thiazid-Diuretika
  • Dilantin
  • alpha-Interferon

F: Infektionen

Im Rahmen von Infektionen kann es zur Entstehung eines Diabetes mellitus kommen. Ein möglicher Mechanismus liegt in der Ähnlichkeit von Eiweißen des Krankheitserregers mit Eiweißen der beta-Zellen. In der Folge passen die Antikörper, die gegen den Erreger gebildet werden, auch auf körpereigene Strukturen, die dadurch zerstört werden.

Beispiele:

  • kongenitale Röteln
  • CMV (Cytomegalie-Virus)

G: seltene, immunologisch bedingte Formen

Der Subtyp G ähnelt dem Subtyp A, jedoch sind die hier zusammengetragenen Syndrome deutlich seltener. Ein Beispiel ist das "Stiff-man"-Syndrom (auch: "Stiff-Person"-Syndrom), das entweder spontan oder im Rahmen von Krebserkrankungen (zum Beispiel bei bestimmten Formen des Lungenkrebses und Brustkrebs) oder assoziiert mit anderen Autoimmunkrankheiten wie der Weißfleckenkrankheit (Vitiligo) und autoimmunen Schilddrüsenerkrankungen auftritt. Die Antikörper sind beim "Stiff-man"-Syndrom in 60 bis 90 Prozent der Fälle gegen die Glutamat-Decarboxylase gerichtet, woraus wiederum eine Zerstörung der beta-Zellen resultiert.

Beispiele:

  • "Stiff-man"-Syndrom
  • Anti-Insulin-Rezeptor-Antikörper

H: andere, manchmal mit Diabetes assoziierte Syndrome

Unter dem Subtyp H werden Erkrankungen zusammengefasst, die überzufällig häufig mit einem Diabetes mellitus einhergehen. Die Ursache dafür ist nicht abschließend erklärbar. Bei den Erkrankungen handelt es sich unter anderem um Chromosomenanomalien und Triplett-Expansionserkrankungen sowie fehlerhaftes Imprinting.

Beispiele:

  • Down-Syndrom (Trisomie 21)
  • Klinefelter-Syndrom
  • Turner-Syndrom
  • Wolfram-Syndrom
  • Friedreich Ataxie
  • Chorea Huntington
  • Lawrence-Moon-Biedel-Syndrom
  • Dystrophia myotonica
  • Porphyrie
  • Prader-Willi-Labhart-Syndrom

Diabetes mellitus Typ 4: Schwangerschaftsdiabetes

Tritt ein Diabetes mellitus während einer Schwangerschaft auf, wird er als Gestationsdiabetes bezeichnet. Es handelt sich dabei um den Diabetes mellitus Typ 4. Der Schwangerschaftsdiabetes entsteht durch die hormonellen Veränderungen und kann nach der Schwangerschaft wieder verschwinden. Allerdings besteht nach Schwangerschaftsdiabetes ein erhöhtes Risiko für einen Diabetes mellitus Typ 2. Zudem entstehen durch den Gestationsdiabetes erhebliche Risiken für das ungeborene Kind wie erhöhte Fehlbildungsrate und ein vermehrtes Auftreten von Fehlgeburten.

Gastationsdiabetes

Wie wird Diabetes diagnostiziert?

Grundsätzlich sind vier Möglichkeiten gegeben, wie ein Diabetes mellitus diagnostiziert werden kann: Symptome eines Diabetes und Gelegenheitsblutzucker über 200 mg/dl oder Nüchtern-Glukose über 126 mg/dl oder 2-Stunden-Wert eines oralen Glukosetoleranztests über 200 mg/dl oder HbA1c-Wert über 6,5 % ermöglichen die Diagnosestellung. Meist besteht bereits aufgrund typischer Symptome ein Verdacht auf die Erkrankung.

Klassische Symptome eines Diabetes sind häufiges Wasserlassen (Polyurie), extremer Durst und sich daraus ergebend eine extrem gesteigerte Flüssigkeitsaufnahme (Polydipsie) sowie ein nicht erklärbarer Gewichtsverlust. Auch bei einem auffälligen Gelegenheitsblutzucker oder einem erhöhten Risiko für Diabetes mellitus kann sich der Verdacht ergeben. Symptome eines Diabetes mellitus und ein Gelegenheitsblutzucker (nicht nüchtern) über 200 mg/dl reichen bereits aus, um die Diagnose eines Diabetes zu stellen.

Zur Bestimmung des Nüchtern-Blutzuckers (Nüchternplasmaglukose, NPG) muss der Patient mindestens acht Stunden vor der Messung nüchtern sein. Es sollten außerdem weder koffeinhaltige Getränke konsumiert noch geraucht werden. Ein Wert über 126 mg/dl (7 mmol/l) belegt einen Diabetes. Werte zwischen 100 und 125 mg/dl werden als abnorme Nüchternglukose bezeichnet und sind kontrollbedürftig.

Insulinspiegel zur Diabetes Erkennung

Alternativ kann der HbA1c-Wert bestimmt werden. Ein Wert unter 5,7 % schließt einen Diabetes aus. Ab 6,5 % und höher besteht die Erkrankung. Werte dazwischen müssen kontrolliert werden. Zur Kontrolle wird entweder der Nüchtern-Blutzucker bestimmt oder ein oraler Glukosetoleranztest durchgeführt. Der orale Glukosetoleranztest (oGTT) wird heutzutage allerdings seltener durchgeführt, da es kostengünstigere und zeitsparendere Methoden (HbA1c-Wert, Nüchtern-Glukose) gibt.

Der Oraler Glukosetoleranztest schafft Klarheit

Vor der Durchführung eines oralen Glukosetoleranztests muss der Patient zehn bis 16 Stunden lang nüchtern bleiben. In dieser Zeit und während des Tests darf nicht geraucht werden. Der Test beginnt mit der Messung des Nüchtern-Blutzuckers. Danach werden 75 g Zucker aufgelöst in 250 bis 300 ml Wasser innerhalb von fünf Minuten getrunken. Die nächste Messung erfolgt zwei Stunden später. Bis dahin sollte der Patient sitzen oder liegen und sich keinesfalls körperlich anstrengen, da körperliche Aktivität Energie verbrennt und den Wert verfälschen könnte.

Liegt der Blutzuckerwert nach abgewarteten zwei Stunden über 200 mg/dl steht ein Diabetes mellitus fest. Liegt er unter 140 mg/dl besteht kein Diabetes. Werte zwischen 140 und 199 mg/dl gehen mit einer gestörten oralen Glukosetoleranz einher, woraus sich ein Risiko für Diabetes ergibt. Durch Anpassung des Lebensstils und die Behandlung anderer Risikofaktoren lässt sich das Diabetesrisiko verringern.

Eine Kontrolle (vorzugsweise durch Bestimmung des HbA1c-Wertes) sollte etwa nach einem Jahr erfolgen, sofern sich in der Zwischenzeit keine dringlichen Auffälligkeiten ergeben. Zu beachten ist, dass für die Messung eine qualitätskontrollierte Labormethode notwendig ist und Geräte für die Selbstmessung durch den Patienten ungeeignet sind.

Screening ab dem Alter von 45 Jahren

Ein Screening auf Diabetes mellitus ist bei allen Menschen angezeigt, die älter als 45 Jahre sind. Liegt beim Screening ein Normalbefund vor, sollte erst wieder in drei Jahren ein Test erfolgen. Bei bestimmten Risikogruppen kann ein Screening vor dem 45. Lebensjahr angezeigt sein. Dazu gehören Personen mit einem BMI über 27 kg/m², einem Bluthochdruck über 140/90 mmHg, mit einer Blutfettstörung mit HDL-Cholesterin unter 35 mg/dl oder Triglyzeriden über 250 mg/dl und Personen, die einen Verwandten ersten Grades (Eltern, Geschwister, Kinder) mit Diabetes mellitus haben.

Außerdem sollten Frauen, die einen Schwangerschaftsdiabetes entwickelten oder die ein Kind mit einem Geburtsgewicht über 4500 g (je nach Quelle auch über 4000 g) zur Welt gebracht haben, früher einem Diabetes-Screening unterzogen werden. Wenn eine frühere Untersuchung eine gestörte Glukosetoleranz oder eine abnorme Nüchtern-Glukose ergab, empfiehlt es sich, den Test in angemessenem Zeitraum zu wiederholen.

Welche Symptome deuten auf Diabetes mellitus Typ 1 hin?

Ein Diabetes mellitus Typ 1 tritt relativ plötzlich auf: Der Jugendliche oder das Kind trinkt viel, geht häufig auf die Toilette und verliert Gewicht. Leistung und Konzentrationsvermögen lassen nach. Gelegentlich können Sehstörungen auftreten, da sich der Quellungszustand der Augenlinse mit dem Blutzuckerspiegel verändert und eine Änderung der Brechkraft nach sich zieht.

Wie wird der Diabetes mellitus Typ 2 festgestellt?

Der Typ 2 Diabetes entwickelt sich meist schleichend und darum unbemerkt. Die klassischen Symptome des Diabetes sind meist weniger ausgeprägt. Hilfreich ist die Messung des Gelegenheitsblutzuckers bei erhöhtem Risiko (zum Beispiel Übergewicht) und ab dem Alter von 45 Jahren.

Sondergruppe: Auftreten eines Diabetes mellitus Typ 3

Die große Gruppe des Typ 3 Diabetes kann sich unterschiedlich manifestieren. Die Subtypen A, B, G und F können in ihrem Erstauftreten dem Typ 1 Diabetes sehr ähnlich sein. An andere Subtypen sollten im Rahmen der medizinischen Behandlung gedacht werden, sodass ein risikoadaptiertes Screening erfolgen kann.

Wie wird ein Gestationsdiabetes (Diabetes mellitus Typ 4) erkannt?

Aufgrund der drastischen Folgen, die ein Schwangerschaftsdiabetes beim ungeborenen Kind verursachen kann, wird der Typ 4 Diabetes routinemäßig in den Vorsorgeuntersuchungen kontrolliert. Symptome fehlen oft, sodass es sich bewährt hat, die Durchführung eines oralen Glukosetoleranztests im Zeitrahmen zwischen 24. und 28. Schwangerschaftswoche allen Schwangeren zu empfehlen. Bei Patientinnen mit Risikofaktoren sollte die Bestimmung der Nüchternglukose noch vor der 24. Schwangerschaftswoche erfolgen.

Unterschiede in der Therapie der Diabetes-Typen

Für jeden Diabetiker gelten individualisierte Therapieziele. Die Komponenten der Therapie sind jedoch für alle Diabetiker dieselben: Ernährungsberatung, Schulung, psychosoziale Betreuung und medikamentöse Therapie. Eine Diabetes-Therapie ohne Berücksichtigung der Ernährungsweise ist keine gute Therapie. Die Empfehlungen für die Zusammensetzung der Ernährung entspricht der für Gesunde: 50 bis 55 % des Energiebedarfs sollte durch Kohlenhydrate, 30 Prozent durch Fett und 15 Prozent durch Eiweiß gedeckt werden.

Die regelmäßige und korrekte Selbstmessung des Blutzuckerspiegels muss jeder Diabetiker beherrschen. Zu beachten ist, dass sich Alkohol, Sport, Krankheit, bestimmte Medikamente (Glukokortikoide) und Schwangerschaft auf den Blutzuckerspiegel auswirken. Darum sollte unter diesen Umständen häufiger als gewöhnlich der Blutzuckerspiegel gemessen werden. Gleiches gilt für die aktive Teilnahme am Straßenverkehr und auf Reisen.

Aufgrund der möglichen Folgeerkrankungen beinhaltet eine gute Therapie Kontrollen bezüglich dieser. Nach einer gewissen Diabetesdauer sollten jährlich die Nierenfunktion (glomeruläre Filtrationsrate und Albumin-Kreatinin-Ratio) und Blutfette (Cholesterin, LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin, Triglyzeride) bestimmt werden sowie ein Augenarzt konsultiert werden. Untersuchungen bezüglich einer diabetischen Neuropathie können vom Hausarzt orientierend oder vom Neurologen vorgenommen werden. Zusätzlich sollte ein Ruhe-EKG geschrieben und der Blutdruck gemessen werden.

Die Insulintherapie bei Diabetes mellitus Typ 1

Die Therapie eines Typ 1 Diabetes ist lebenslang durchzuführen, wobei sich sowohl der Insulinbedarf als auch der HbA1c-Zielwert im Laufe des Lebens ändern können. Der Richtwert für den HbA1c liegt bei unter 7,5 %, sofern es unter diesem Therapie-Regime nicht zu schwerwiegenden Hypoglykämien (Unterzuckerungen) kommt. Eine Therapie ohne Insulin ist nicht möglich, es sind aber zwei Schemata vorhanden, an denen sich die Therapie orientieren kann.

Empfohlen wird die intensivierte Insulintherapie, die aus einem langwirksamen Basalinsulin und einem kurzwirksamen Insulin besteht. Das Basalinsulin wird ein- oder zweimal täglich, je nach Wirkstoff-Präparat, gespritzt. Die kurzwirksamen Insuline werden vor den Mahlzeiten gespritzt, wobei bei manchen Präparaten ein Spritz-Ess-Abstand eingehalten werden muss. Die Berechnung der zu spritzenden Insulinmenge wird innerhalb der Schulung gelehrt, ebenso das korrekte Spritzen.

Zweitrangig ist die konventionelle Insulintherapie, bei der zwar auch ein Basalinsulin und ein kurzwirksames Insulin gespritzt werden, die Menge an Kohlenhydraten in jeder Mahlzeit allerdings fest vorgeschrieben ist. Dieses Schema ist vor allem für Menschen gedacht, die der intensivierten Insulintherapie nicht gerecht werden können, zum Beispiel aufgrund geistiger Einschränkungen, zusätzlicher Erkrankungen oder hohem Alter. Natürlich kann die konventionelle Insulintherapie auch auf Wunsch des Patienten durchgeführt werden.

Bei kleinen Kindern oder Menschen, die häufig einen unregelmäßigen Tagesablauf haben, kann eine Insulinpumpe angezeigt sein. Ebenso kann eine Pumpe zur Verbesserung der Lebensqualität, bei wiederkehrend schweren Unterzuckerungen oder bei geplanter Schwangerschaft (Beginn dann noch vor der Befruchtung) eine gute Therapiemöglichkeit darstellen.

Die Stufentherapie bei Diabetes mellitus Typ 2

Die Therapie des Typ 2 Diabetes ist eine Stufentherapie. Jede Stufe sollte über drei bis sechs Monate ernsthaft verfolgt werden, bevor die nächste Stufe zur Anwendung kommt. Anzustreben ist ein HbA1c-Wert zwischen 6,5 % und 7,5 %. Am Anfang steht eine Veränderung des Lebensstils mittels Umstellung der Ernährung, Normalisierung des Gewichts und Förderung körperlicher Aktivität im Vordergrund. Wird durch diese Maßnahmen kein akzeptables Ergebnis erzielt, wird mit einer medikamentösen Therapie begonnen. Verwendet werden orale Antidiabetika. Meist wird die Therapie mit Metformin begonnen.

Reicht auch diese Therapiestufe nicht aus, erfolgt eine Kombinationstherapie aus zwei oralen Antidiabetika, die zum Teil auch als Kombinationspräparat angeboten werden. Im Falle einer nicht ausreichenden Kombinationstherapie muss schlussendlich das Spritzen von Insulin begonnen werden. Zur Therapie einer Typ 2 Diabetikerin in der Schwangerschaft siehe Typ 4.

Die Symptome entscheiden über die Therapie von Diabetes mellitus Typ 3

Die Therapie des Typ 3 Diabetes orientiert sich an den Symptomen und der Ausprägung des Diabetes sowie an der Grund- und den Nebenerkrankungen. Zumeist muss Insulin gespritzt werden. Zur Insulintherapie siehe Diabetes mellitus Typ 1.

Besondere Vorsicht ist bei der Therapie von Schwangerschaftsdiabetes geboten

Schwangere dürfen keine oralen Antidiabetika einnehmen. Erreicht eine Ernährungsumstellung nicht den gewünschten Effekt, muss frühzeitig mit einer Insulintherapie begonnen werden. Es ist zu berücksichtigen, dass in der Schwangerschaft niedrigere Blutzuckerwerte und ein niedrigeres HbA1c-Niveau als bei Nicht-Schwangeren normal sind. Der mittlere Blutzuckerwert sollte zwischen 85 und 105 mg/dl liegen. Für den HbA1c-Wert, der alle vier bis sechs Wochen kontrolliert werden sollte, gelten dieselben Referenzwerte wie für Gesunde.

Der Grund für die so strenge Einstellung des Blutzuckers liegt im Fehlgeburt- und Fehlbildungsrisiko. Ein vermehrtes Auftreten von Chromosomenaberrationen (wie beispielsweise Trisomie 21) wird allerdings nicht beobachtet. Das ungeborene Kind einer Schwangeren mit Gestationsdiabetes hat unter anderem ein erhöhtes Risiko für Neuralrohrdefekte und Herzfehler.

Die ohnehin für alle empfohlene Folsäure-Prophylaxe ist bei Frauen mit Diabetes Typ 4 umso wichtiger. Allerdings ist eine Folsäure-Prophylaxe nur dann effektiv, wenn bereits vier Wochen vor Beginn der Schwangerschaft mit der Folsäure-Einnahme begonnen wird. Zu diesem Zeitpunkt liegt aber noch kein Schwangerschaftsdiabetes vor. Darum sollten besonders Frauen mit Risikofaktoren (zum Beispiel früherer Gestationsdiabetes, BMI über 27 kg/m²) darauf achten, rechtzeitig mit der Folsäure-Prophylaxe zu beginnen.

In den Vorsorgeuntersuchungen für das ungeborene Kind sollten im ersten Schwangerschaftsdrittel vier Gliedmaßen-Knospen im Ultraschall nachgewiesen werden. Wichtig ist auch der Ausschluss eines generalisierten Hydrops oder zystischer Raumforderungen im Bauch. Die von Diabetes Typ 4 betroffene Frau sollte sich bewusst sein, dass sich ihr Insulinbedarf nach der Geburt stark verändern kann und womöglich keine Insulingabe mehr notwendig ist. Um Unterzuckerungen zu vermeiden, sollte nach der Geburt regelmäßig der Blutzuckerspiegel bestimmt werden.

Diabetische Ketoazidose ist ein Notfall

Die diabetische Ketoazidose kann die Erstmanifestation eines Diabetes mellitus darstellen, wenn Anfangssymptomen keine Beachtung geschenkt wurde. Sie ist definiert durch einen Blutzuckerwert über 250 mg/dl mit Ketonurie (Ketonkörper im Urin) oder Ketonämie (Ketonkörper im Blut) bei einem Blut-pH-Wert unter 7,35 (arteriell) beziehungsweise 7,3 (venös). Das Serum-Bikarbonat liegt unter 15 mmol/l.

Es handelt sich dabei um eine Übersäuerung des Körpers aufgrund von sauren Ketonkörpern. Der Körper produziert Ketone, wenn er seinen Energiebedarf nicht durch Zucker decken kann. Bei einer diabetischen Ketoazidose ist der Blutzuckerwert zwar mit 250 mg/dl sehr hoch, aber durch den Mangel an Insulin kann der Zucker nicht in die Zellen gelangen, sodass trotz Zucker im Überfluss ein Energiemangel besteht. Um diesen Zustand zu kompensieren, spaltet der Körper Fettsäuren, wobei Ketonkörper entstehen. Reichern sich diese im Blut an, wird das Blut stetig saurer, wodurch sich die Blutsalze und Blut-Gase verschieben. Die diabetische Ketoazidose ist ein lebensbedrohlicher Zustand.

Wichtig ist die Alarmierung eines Notarztes, der den Kreislauf stabil halten kann. Unter stationären Bedingungen werden Flüssigkeit und Blutsalze ausgeglichen. Insulin wird nur in niedriger Dosis eingesetzt, weil seine rasche hochdosierte Verabreichung zu einer lebensgefährlichen Verschiebung der Kalium-Ionen im Blut führen würde. Eventuell muss Kalium dem Patienten verabreicht werden. Der Säure-Basen-Haushalt gleicht sich in der Folge dieser Maßnahmen meistens von selbst aus.

Hyperosmolares Hyperglykämisches Syndrom

Das hyperosmolare hyperglykämische Syndrom ähnelt der diabetischen Ketoazidose. Allerdings liegen bei diesem Syndrom keine vermehrten Ketonkörper, weder im Blut noch im Urin, vor. Der Blutzuckerspiegel übersteigt Werte von 600 mg/dl, wodurch sich eine Hyperosmolarität über 320 mOsm/kg ergibt. Hyperosmolar bedeutet, dass zu viele Teilchen in einer Flüssigkeit enthalten sind. Für den menschlichen Körper bedeutet das, dass durch das Übermaß an Zucker im Blut Wasser ins Blut gezogen wird. Dieses Wasser stammt aus den Zellen, die dadurch geschädigt werden.

Die Therapie des hyperosmolaren hyperglykämischen Syndroms ist zu vergleichen mit der der diabetischen Ketoazidose. Allerdings erfolgt der Ausgleich des Flüssigkeitshaushaltes viel langsamer und mit deutlich hypotoner Flüssigkeit. Die Gabe von Insulin erfolgt ebenfalls deutlich niedriger dosiert.

Hypoglykämie ist ein potentieller Notfall

Eine Hypoglykämie (Unterzuckerung) ist ein potentieller Notfall. Unbehandelt drohen Krämpfe, Koma und Tod. Jeder Diabetiker sollte in der Lage sein, die Symptome einer Unterzuckerung wie Zittern und Schwäche sicher und rechtzeitig bei sich erkennen zu können. Der Blutzucker sollte schnellstmöglich überprüft werden.

Im Falle einer milden Unterzuckerung kann sich der Betroffene selbst behandeln und sollte umgehend 20 g Kohlenhydrate (am besten Glukose) zu sich nehmen. Nach einer Viertelstunde wird der Blutzuckerwert erneut kontrolliert. Liegt der Wert dann zwischen 50 und 60 mg/dl, sollten noch einmal 20 g Glukose verzehrt werden.

In schweren Fällen, die gegebenenfalls mit Bewusstlosigkeit einhergehen, können die Angehörigen oder Freunde entweder 1 mg Glukagon in den Muskel oder unter die Haut spritzen oder den Notarzt verständigen, damit dieser 20 ml 50-prozentige Glukose-Lösung in die Vene injiziert. Mit dem Umgang einer Glukagon-Spritze sollten Angehörige eines Diabetikers unbedingt vertraut sein.

Quellen:

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