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In Deutschland wird zu oft Antibiotika verschrieben

Veröffentlicht in News & Forschung 30 Okt, 2014

Trotz aller Warnungen werden in Deutschland noch immer viel zu viele Antibiotika verschrieben. Dies ergab eine aktuelle Studie der DAK-Gesundheit, die dazu anonymisierte Daten zu ärztlichen Diagnosen und verschriebenen Arzneimitteln im Jahr 2013 auswertete. Der Studie zufolge nahmen vier von zehn Versicherten innerhalb eines Jahres Antibiotika ein.

Dabei waren die Antibiotika-Rezepte in fast einem Drittel der Fälle entweder unnötig oder zumindest fragwürdig, kritisierten die Studienautoren. So werden vor allem bei Erkältungskrankheiten oft auf Patientenwunsch Antibiotika verschrieben, die gar nichts ausrichten können. Antibiotika helfen nur gegen Erkrankungen, die durch Bakterien ausgelöst werden, nicht jedoch bei Viruserkrankungen. Dazu gehören jedoch die meisten Erkältungskrankheiten wie die Grippe. Auch die Bronchitis wird nur manchmal von Bakterien verursacht, mindestens genauso häufig jedoch von Viren. Dennoch schreiben Hausärzte Antibiotika ohne eingehende Analyse auf.

Immer mehr Resistenzen drohen

Für viele schlecht informierte Patienten sind Antibiotika ganz einfach die "beste Waffe" gegen alle möglichen Infektionskrankheiten. Was verschreibungspflichtig ist, muss schließlich gut sein. In einer Umfrage unter 3.100 Menschen gaben ganze 40 Prozent zu, nicht konkret zu wissen, wann Antibiotika eigentlich sinnvoll sind und wann nicht.

Mediziner sehen den großzügigen Einsatz von Antibiotika kritisch: Schon im April wies die Weltgesundheitsbehörde WHO darauf hin, dass immer mehr Bakterien Resistenzen gegen die eingesetzten Antibiotika entwickelt haben, d.h. sie können nicht mehr behandelt werden. Zu den neun resistenten Erregern gehörte auch die früher weit verbreitete Geschlechtskrankheit Gonorrhoe (Tripper): Sie galt in Europa als schon fast besiegt, ist nun jedoch wieder auf dem Vormarsch.

Für Aufsehen sorgte auch der Krankenhauskeim MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus), der mehrfache Resistenzen entwickelt hat und vor allem Krankenhauspatienten mit geschwächtem Immunsystem bedroht. Der DAK-Studie zufolge sterben in Deutschland jährlich bis zu 15.000 Patienten an Infektionen, die sie sich erst im Krankenhaus zugezogen haben.

Nicht nur die Ärzte sind schuld

Haus- und Krankenhausärzte sind jedoch nicht alleine daran schuld, dass viel zu viele Antibiotika im Umlauf sind und zu Resistenzen führen können. Ein weiteres großes Problem ist der Einsatz von Antibiotika bei der Massentierhaltung. Scheine, Kühe und Hühner nehmen Antibiotika über das Futter auf, wodurch Keime ebenfalls Resistenzen entwickelt. Verzehrt der Mensch später das Fleisch der Tiere, nimmt er dabei auch die resistenten Keime auf. Weiterhin gelangen Antibiotika über das Abwasser der Zuchtbetriebe und über Dünger ins Grundwasser.

Strengere Vorschriften könnten sowohl bei der Tierzucht als auch in Krankenhäusern viel dazu beitragen, den Einsatz von Antibiotika zu verringern. Aber auch der mündige Bürger selbst ist gefragt: Er soll sich besser informieren, wann Antibiotika überhaupt sinnvoll sind, statt beim Arzt auf einem Rezept zu bestehen.

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