Live Chat 030 5683 73070
Das Patientenservice Team ist jetzt erreichbar: Mo-Fr 09:00-19:00
Der 121doc Gesundheitsblog Alles für Ihre Gesundheit

Interview Deutsche Stiftung Organtransplantation

Veröffentlicht in News & Forschung 12 Jun, 2014

Fast 1000 Patienten sterben durch mangelnde Spendebereitschaft.
Am 7. Juni wurde von der Deutschen Stiftung Organtransplantation wieder der Tag der Organspende organisiert. Der erste Samstag im Juni jeden Jahres wird dabei genutzt, um die Öffentlichkeit über dieses wichtige Thema mit bundesweiten Informations- veranstaltungen zu informieren. Leider sterben in Deutschland noch immer viele Menschen, weil kein passendes Organ gefunden werden konnte - wir haben das Thema Organspende daher aufgegriffen und hatten die Chance Christine Gehringer von der Deutschen Stiftung Organtransplantation für Sie zu befragen. Außerdem möchten wir Ihnen weiter unten gern Tanja Lutz vorstellen, deren Leben dank einer Organspende gerettet werden konnte.

Aus den Unterlagen geht hervor, dass derzeit in Deutschland etwa 11.000 Menschen auf eine Spende warten. Gibt es Informationen dazu, wie viele von ihnen mangels Spendebereitschaft sterben?

Christine Gehringer (Deutschen Stiftung Organtransplantation): Nahezu 1.000 Patienten sterben, denen mit einer Organspende hätte geholfen werden können. Dazu muss man allerdings sagen, dass die Gründe für den Rückgang der Organspendezahlen vielschichtig sind und nicht allein auf eine mangelnde Spendebereitschaft zurückgeführt werden können – immerhin wären laut einer aktuellen Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) 68 Prozent bereit, Organe zu spenden. Sicher spielt immer noch die Verunsicherung durch die Manipulationen der Wartelisten an einigen Kliniken eine Rolle. Dies hat zu Irritationen innerhalb der Bevölkerung aber auch in den Kliniken selbst geführt. Darüber hinaus gibt es aber möglicherweise noch andere Gründe wie zum Beispiel die Struktur der Krankenhäuser in der jeweiligen Region und die Anzahl der am Hirntod verstorbenen Patienten, die überhaupt für eine Organspende in Frage kommen.

Wie viele können jährlich durch Organspenden gerettet werden?

Christine Gehringer: Jeden Tag finden in Deutschland im Durchschnitt neun Transplantationen statt.

Kann prinzipiell jeder Mensch Organe spenden oder welche Voraussetzungen muss man dafür erfüllen?

Christine Gehringer: Prinzipiell ja. Eine Organspende ist in jedem Alter möglich. Der älteste Organspender war sogar über 90 Jahre alt. Eine Organentnahme wird grundsätzlich ausgeschlossen, wenn eine schwere Infektion wie HIV oder eine akute Krebserkrankung besteht.
Für eine Organspende gibt es zwei Voraussetzungen: Zum einen muss der Hirntod zweifelsfrei festgestellt worden sein und eine Zustimmung, zum Beispiel ein Organspendeausweis, muss vorliegen. Ist der Wille des Verstorbenen nicht bekannt, werden die Angehörigen um eine Entscheidung gebeten. Um seiner Familie diese schwere Frage zu ersparen, ist es wichtig, dass man sich zu Lebzeiten mit dem Thema auseinandersetzt und eine Entscheidung trifft.

Welcher Anteil der Transplantationen in Deutschland findet innerhalb der Familie statt?

Christine Gehringer: Im Jahr 2013 gab es 808 Transplantationen nach Lebendspende – insgesamt waren es 4.056 Transplantationen.

Wie erfährt man überhaupt, ob Organe gerade gebraucht werden und man ein geeigneter Spender sein könnte, wenn der Fall nicht direkt in der Familie liegt?

Christine Gehringer: Eine Lebendspende ist nach dem Transplantationsgesetz nur zwischen Familienmitgliedern und Menschen, die sich persönlich nahestehen, möglich. Es gibt also nicht die Möglichkeit, eine Niere oder einen Teil der Leber zu Lebzeiten an jemanden zu spenden, den man persönlich nicht kennt.

Welches sind die Hauptgründe, warum sich Menschen gegen eine Organspende aussprechen?

Christine Gehringer: Diejenigen, die sich im Rahmen der Umfrage der BZgA gegen eine Organspende ausgesprochen haben, haben als häufigsten Grund die Angst vor Missbrauch durch Organhandel angegeben. Auch besteht die Befürchtung, dass die Organe nicht gerecht verteilt werden. Religiöse Gründe oder zu wenig Aufklärung spielen nur eine untergeordnete Rolle.

Viele Menschen haben immer noch Bedenken, im Fall der Fälle bei überlebensrettenden Maßnahmen schneller „aufgegeben“ zu werden, wenn sie einen Organspendeausweis mit sich tragen. Was würden Sie diesen Menschen sagen?

Christine Gehringer: Jeder Arzt wird immer alles daran setzen, seinen Patienten zu retten, bevor er überhaupt an eine mögliche Organspende denkt. Manchmal ist aber eine Rettung nicht mehr möglich, die Krankheit oder Unfallfolgen sind zu weit fortgeschritten. Erst wenn der Hirntod festgestellt wurde, stellt sich die Frage der Organspende.


Tanja Lutz – mit der neuen Niere erhielt sie ihr zweites Leben

Tanja Lutz ist eine der Frauen, der durch eine Organspende das Leben gerettet wurde. Heute ist sie stolze Mutter von Zwillingen, die sie fünf Jahre nach ihrer Transplantation zur Welt brachte. Als für sie schon fast alles verloren schien, schenkte die neue Niere ihr ein zweites Leben. „Vor zwei Jahren habe ich meinen 40. Geburtstag gefeiert. Ich bin so dankbar, dass ich diesen Tag erleben durfte.“

Tanjas Leiden begann früh. Ihre erste Niere verlor sie bereits als Kind, im Alter von sechs Jahren. Der Kinderarzt diagnostizierte bei ihr eine Schrumpfniere. Das Organ konnte nicht mehr gerettet und musste entnommen werden. Im Alter von 14 Jahren wurde an ihrer zweiten Niere ein Reflux entdeckt und operiert. Die Operation lief erfolgreich und alles schien endlich überstanden zu sein.

Doch nach neun Jahren meldete sich die Niere erneut. Tanja Lutz war zum diesem Zeitpunkt bereits verlobt und die glückliche Mutter von zwei Kindern, als sich ihr Zustand plötzlich enorm verschlechterte. Die noch verbliebene Niere hatte aufgehört zu funktionieren. Das Resultat: Sie musste an die Dialyse. Die damals 23-Jährige empfand die dreieinhalbjährige Dialysezeit wie eine Entmündigung ihrer selbst. „Damals ging mein ganzes Leben in die Brüche“, sagt sie rückblickend. In dieser Zeit verlor sie ihren Verlobten, ihre Firma und musste schließlich ihre ersten beiden Kinder vorübergehend zu Pflegeeltern geben.

Es dauerte bis zum Winter 1994 bis endlich eine passende Niere gefunden wurde. Die Transplantation verlief erfolgreich und das neue Organ funktionierte ohne Komplikationen. Frei von der Dialyse lernte Tanja in ihrem „neuen“ Leben ihren heutigen Mann kennen, baute mit ihm einen Bauernhof auf und erfüllte sich einen großen Wunsch: ein gemeinsames Kind. Es wurden Zwillinge. Laura und Daniel kamen zwar etwas zu früh, aber kerngesund auf die Welt. Für den Spender, der ihr dieses Glück erst ermöglichte, empfindet sie große Dankbarkeit: „Gerne würde ich dieser Person Blumen ans Grab legen, ihr danken, für die Jahre, die sie mir geschenkt hat. Für mein zweites Leben.“

Tanja Lutz engagiert sich in einem Selbsthilfeverband, um auch anderen Menschen Kraft und Mut zuzusprechen.

Für weitere Informationen, besuchen Sie bitte die Website der Deutschen Stiftung Organtransplantation. Sie können sich unter 0800/9040400 auch direkt an das Infotelefon Organspende wenden.


Von Sabine Will


Kommentar abschicken.
  • Ihr Name:*
  • E-Mail Adresse:
  • Ihr Kommentar:*
Weiterlesen
Entdecken Sie 121doc Blog Kategorien
Entdecken Sie mehr
Zum 15. Mal findet heute - am 15. März - der Tag der Rückengesundheit... Weiterlesen
Osnabrück Arzt
Ein kleiner Schnitt kann bei einer Operation weitreichende Folgen haben. Das... Weiterlesen
Sport gehört zu einer gesunden Ernährungsumstellung einfach dazu – das... Weiterlesen