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Hormonimplantat (Verhütungsstäbchen) zur hormonellen Verhütung

Das Verhütungsstäbchen (syn. Hormonimplantat) zählt zu den sichersten Langzeit-Verhütungsmitteln und als bewährte Alternative zur Antibabypille. Das Hormonimplantat ist in Deutschland seit dem Jahr 2000 zugelassen und wird von erfahrenen Frauenärzten eingesetzt.

Definition und Fakten über das Hormonimplantat

Beim Verhütungsstäbchen (Hormonimplantat) handelt es sich um ein 4 Zentimeter langes und 2 Millimeter dünnes Stäbchen von flexibler Beschaffenheit, das vom Frauenarzt subkutan in den Oberarm implantiert wird. Das Stäbchen wirkt durch die Ausschüttung des Gestagen-Hormons Etonogestrel.

Für Frauen, die die Antibabypille nicht einnehmen können oder wollen, kann diese Methode daher unter Umständen eine Alternative Verhütungsmethode darstellen. Wird diese Methode von der Anwenderin gut vertragen, dann kann das Stäbchen bis zu 3 Jahre lang im Körper verbleiben, um sicheren Schutz vor einer ungewollten Schwangerschaft zu bieten. Die Kosten für das Hormonimplantat betragen circa 300 bis 350 Euro, diese werden nur für junge Frauen unter 20 Jahren von der Krankenkasse übernommen.

Folgende Tabelle gibt einen Überblick zu wichtigen Eckdaten des Hormonimplantats


Handelsname: Implanon
Wirkstoffklasse: Gestagene
Wirkmechanismus: empfängnisverhütend, hemmt Eisprung
Wirkstoff/Hormon: Etonogestrel
Anwendungsform: Kunststoffstäbchen
Pearl Index: 0,8
Kosten: Zwischen 300 und 350 €

Wirkung, Anwendung & Sicherheit des Verhütungsstäbchens

Wirkungsweise und Wirkungsdauer

Das im Oberarm implantierte Hormonimplantat gibt regelmäßig künstliche Hormone direkt in den Blutkreislauf ab. Natürliche Gestagene, auch Schwangerschaftshormone genannt, werden während der Schwangerschaft gebildet und verhindern in dieser Zeit den Eisprung.

Die synthetischen Gestagene dienen als hervorragend wirksame Verhütungsmittel (syn. Kontrazeptiva). Im Verhütungsstäbchen kommt ein bestimmter Wirkstoff aus der Gruppe der Gestagene, das Etonogestrel, zum Einsatz. Das Etonogestrel weist eine hohe Bindungsaffinität zu den Rezeptoren der Zielorgane auf. Es wirkt auf zweierlei Weise: Zum einen hemmt es den Eisprung (syn. Ovulation), zum anderen bildet sich ein für Spermien unüberwindbarer Schleimpfropfen im Gebärmutterhals.

Das Verhütungsstäbchen enthält 68 Milligramm Etonogestrel. Damit ist es auf eine Wirkungsdauer von 3 Jahren angelegt. Die Verträglichkeit einer Gestagen-Behandlung kann vor der größeren Investition in das Verhütungsstäbchen mit der gestagenbasierten Minipille getestet werden.

Je länger das Implantat getragen wird, desto weniger Wirkstoff gibt es ab:

  • in den ersten sechs Wochen: 60 bis 70 Mikrogramm Etonogestrel täglich
  • am Ende des ersten Jahres: 35 bis 45 Mikrogramm täglich
  • am Ende des dritten Jahres: 25 bis 30 Mikrogramm täglich

Auch die kleineren Wirkstoffraten sind zur zuverlässigen Verhütung ausreichend. Die Dosierungen orientieren sich allerdings an der normalgewichtigen Patientin. Es liegen noch keine verlässlichen klinischen Studien darüber vor, ob bei übergewichtigen Frauen die niedrigen Wirkstoffraten im dritten Jahr eine kritische Grenze erreichen. Es gibt Stimmen, die in solchen Fällen zu einer vorzeitigen Entfernung des Verhütungsstäbchens im dritten Jahr raten.

Zur Situation nach Entfernung des Implantats: Nach Ablauf der Dreijahresfrist kann, wenn gewünscht, sogleich ein neues Implantat eingesetzt werden. Der kontrazeptive Schutz bleibt durchgehend erhalten.

Anwendung des Verhütungsstäbchens und der richtige Zeitpunkt für das Einsetzen

Das Verhütungsstäbchen wird vom geschulten Frauenarzt implantiert. Ein empfehlenswerter Zeitpunkt für die Implantation sind Tag 1 bis 5 des natürlichen Zyklus.

Wenn die Patientin von einem kombinierten oralen Kontrazeptivum (KOK), z.B. einem Vaginalring oder einem transdermalen Pflaster umstellt, sollte die Implantation am Tag nach der letzten Einnahme, respektive nach Entfernen von Ring oder Pflaster geschehen.

Das Verhütungsstäbchen wird 6 bis 8 Zentimeter oberhalb des Ellbogens am nicht schreibenden Arm in der flachen Senke zwischen Bizeps und Trizeps implantiert. Dazu benutzt der Arzt einen speziellen Applikator. Die Implantationsstelle betäubt er zuvor mit einem lokalanästhetischen Spray oder mittels subkutaner Injektion. Drei Monate nach Einsetzen des Verhütungsstäbchens sollte eine Nachuntersuchung erfolgen.

Die Sicherheit des Verhütungsstäbchens

Das Verhütungsstäbchen gilt als sehr sicheres Langzeitverhütungsmittel. Seine Wirksamkeit steht auf zwei Grundpfeilern:

  • Verhinderung der Ovulation
  • Bildung eines Schleimpfropfens im Gebärmutterhals

Sollten diese beiden Wirkmechanismen versagen, wird die Verhütung dank des Hormonimplantats unterstützt durch eine ungenügend aufgebaute Gebärmutterschleimhaut, in der sich die befruchtete Eizelle nicht einnisten kann.

Damit erreicht die Verhütungsmethode mit dem Hormonimplantat einen Pearl-Index zwischen 0,1 – 0,8. Dies bedeutet, dass durchschnittlich nur 0,8 Frauen nach einem Jahr mit sexueller Aktivität trotz Anwendung des Hormonimplantates schwanger werden. Diese Verhütungsmethode ist dank der Tatsache, dass die künstlichen Gestagene direkt in den Blutkreislauf abgegeben werden auch für Frauen geeignet, die öfter unter Übelkeit, Verdauungsproblemen oder Bluthochdruck leiden.

Vor- und Nachteile des Hormonimplantats

Die Vorteile eines Langzeitverhütungsmittels

Das Verhütungsstäbchen enthebt die Patienten über einen Zeitraum von drei Jahren von den Sorgen rund um die Verhütung. Das Hormonimplantat schützt vor Einnahmefehlern, wie sie bei oral zu verabreichenden Kontrazeptiva häufig vorkommen können. Bei etwaigen Magen-/Darmproblemen muss die Trägerin eines Verhütungsstäbchens sich keine Gedanken über abgeschwächte Wirkmechanismen machen, denn die kontrazeptive Hormonausschüttung geschieht immer gleichmäßig und in ausreichender Wirkmenge. Studien bestätigen bei vielen Frauen zudem ein begünstigendes Blutungsprofil während der Periode bzw. weniger irreguläre Blutungen.

Die Nachteile eines Langzeitverhütungsmittels

Ein Verhütungsstäbchen manipuliert dauerhaft den Hormonhaushalt seiner Trägerin. Dies kann eine Reihe von Nebenwirkungen mit sich bringen, auf die im Folgenden Absatz eingegangen wird. In dem Vorteil des Hormonimplantats, der dauerhaft sicheren Verhütung, kann auch ein Nachteil liegen; denn die Trägerin eines Verhütungsstäbchens sollte sich zu der mehrjährig wirksamen Methode entschlossen haben. Frauen, die sich in ihrer Verhütungsplanung nicht sicher sind, sehen sich besser nach anderen Möglichkeiten um.

Ein weiterer möglicher Nachteil: Eine Studie belegte eine Gewichtszunahme und allgemeine Erhöhung des Körperfettanteils bei Anwenderinnen.

Nebenwirkungen, Kontraindikationen & Risikofakoren

Nebenwirkungen

Die unerwünschten Nebenwirkungen des Verhütungsstäbchens können je nach Häufigkeit ihrer Manifestationen in drei Kategorien eingeteilt werden: sehr häufige (10 % Prozent oder mehr), häufige (zwischen 1 und 10 %) und gelegentliche (0,1 bis 1 %) Nebenwirkungen.


Häufige Nebenwirkungen Seltene Nebenwirkungen Sehr seltene Nebenwirkungen
Brustspannen und -schmerzen sowie Zyklusstörungen Nervosität, depressive Verstimmungen, Libidoeinbußen Migräne
Kopfschmerzen Appetitminderung Angstzustände, Insomnie (Schlaflosigkeit)
Vaginale Infektionen Hitzewallungen, Schwindel Obstipation (Verstopfung), Durchfall
Akne Übelkeit, Blähungen Rücken- und Knochenschmerzen

Kontraindikationen des Verhütungsstäbchens

Für das Verhütungsstächen liegen einige sichere Kontraindikationen vor, die dem Arzt das Einsetzen des Implantats verbieten. Das Hormonmittel darf nicht angewendet werden bei:

  • gestagenabhängigen Tumoren
  • aktiven venösen Erkrankungen thromboembolischer Natur
  • schweren Lebererkrankungen, solange die Werte nicht im
  • Normbereich liegen
  • vaginalen Blutungen ungeklärter Ursache

Risikofaktoren und Warnhinweise für das Verhütungsstäbchen

In den nachfolgenden Fällen sollten Sie unbedingt mit einem Facharzt abklären, ob eine Implantation des Verhütungsstäbchens in Frage kommt. Unter folgenden Umständen sollte eventuell von der Verwendung eines Hormonimplantats abgesehen werden:

  • Frauen mit Brustkrebs (Mammakarzinom) in der Anamnese
  • Frauen mit thromboembolischen Erkrankungen in der Anamnese
  • Raucherinnen

Quellen:

  1. Di Carlo, C. et al. (2015): Bleeding profile in users of an etonogestrel sub-dermal implant: effects of anthropometric variables. An observational uncontrolled preliminary study in Italian population, in: in: Gynecological Endocrinology 2015 Jun;31(6):491-4, ncbi.nlm.nih.gov
  2. Modesto W. et al. (2015): Body composition and bone mineral density in users of the etonogestrel-releasing contraceptive implant, in: Archives of Gynecology and Obstetrics 2015 Dec;292(6):1387-91. Epub 2015 Jun 19, ncbi.nlm.nih.gov
  3. Apotheken Umschau: Verhütungsstäbchen (Hormonimplantat), URL: apotheken-umschau.de
  4. Familienplanung.de: Das Hormonimplantat, familienplanung.de

Letzte Aktualisierung: 25.11.2015

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