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Schlechter Musikgeschmack lässt sich kurieren - mit Gehirnstimulation

Veröffentlicht in News & Forschung 29 Mai, 2014

Wer hat noch nie über die musikalischen Geschmacksverirrungen guter Freunde oder enger Verwandter gelästert? Mutti, die täglich Roland Kaiser hört, die beste Freundin, die jenseits der 30 noch am liebsten One Direction im CD-Player des Autos dudeln lässt oder der neue Partner, der sich aus undefinierbaren Gründen gerne mit fürchterlich lautem Heavy Metal volldröhnen lässt. Für alle diejenigen haben Neurologen in den Niederlanden nun möglicherweise per Zufall eine Lösung gefunden, die allerdings nicht ganz ernst zu nehmen ist: Ein Patient, der eigentlich aufgrund einer Zwangsstörung behandelt wurde, entwickelte nach einer Operation auf einmal einen ganz anderen Musikgeschmack: Er hört seitdem nur noch Johnny Cash.

Hirnschrittmacher gegen Zwangsstörungen

Weltweit leiden Menschen unter sogenannten therapierefraktären Zwangsstörungen, die besser unter dem englischen Namen OCD (Obsessive-Compulsive Disorder) bekannt sind. Dazu zählt beispielsweise der krankhafte Zwang, sich zwanzig Mal am Tag die Hände zu waschen oder ständig kontrollieren zu müssen, ob das Licht in anderen Zimmern ausgeschaltet ist. Diese zwanghaften Handlungen helfen den Betroffenen, Spannungen und Ängste abzubauen - zumindest für kurze Zeit. Konnten derartige Zwangsstörungen bis vor kurzem nur medikamentös behandelt werden, können heute sogenannte Hirnschrittmacher eingesetzt werden, die ursprünglich für Parkinson-Patienten entwickelt worden sind.

Die Geräte werden mit dem Nucleus accumbens verbunden, einem Teil des Belohnungszentrums im Gehirn, in dem viele Dopamin-Rezeptoren stecken. Werden sie stimuliert, schütten sie Glücksgefühle aus. Statt sie nun durch die zwanghaften Handlungen immer wieder stimulieren zu müssen, genügt stattdessen ein Druck auf die Steuerung des Hirnschrittmachers. Dadurch gewinnen Patienten ein großes Stück Lebensqualität zurück.

Musik löst Glücksgefühle aus

Das die Lieblingsmusik bei vielen Menschen Glücksgefühle auslöst, ist ebenfalls ein alter Hut. Musik wirkt nämlich ebenfalls auf den Nucleus accumbens ein und sorgt für eine verstärkte Ausschüttung von Dopamin. Allerdings können sich die niederländischen Forscher nicht erklären, warum sich bei ihrem Patienten schlagartig der Musikgeschmack änderte, nachdem er einen Hirnschrittmacher eingesetzt bekommen hatte. Besonders kurios: Ist der Schrittmacher aktiv, hört der Mann nur noch Johnny Cash, doch wenn die Batterie leer ist oder der Schrittmacher aus anderen Gründen abgeschaltet wird, kehrt er zu seinem üblichen Musikgeschmack zurück.

Vermutet wird, dass die tiefe sonore Stimme von Johnny Cash und der andere Rhythmus der amerikanischen Country & Western-Musik einen Einfluss auf den Nucleus accumbens im Gehirn hat - aber wie und warum, das wissen die Forscher auch nicht. So werden sich die Nachbarn des Holländers wohl daran gewöhnen müssen, täglich Johnny Cash zu hören.


Von Nicole Freialdenhoven


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