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Interview – Smartphones für Sehbehinderte

Veröffentlicht in News & Forschung 13 Jun, 2014

Neue Technologien wie Smartphones ermöglichen Sehbehinderten immer mehr neue Erfahrungen und Erleichterungen im Alltag. Wir haben uns den Tag der Sehbehinderten am 6. Juni zum Anlass genommen, Paloma Rändel vom Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenverein (ABSV) in Berlin rund um das Thema Sehbehinderung und Technologie zu befragen. Selbst wenn Sie nicht direkt betroffen sind, werden Sie vielleicht ein paar interessante Hintergrundinformationen erhalten können. Weitere Informationen erhalten Sie auf der Website der ABSV oder beim Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband e.V.

Gibt es eine genauere Definition zum Begriff Sehbehinderung? Wie würden Sie eine Sehschwäche von einer Sehbehinderung differenzieren?

Paloma Rändel: „Sehschwach“ und „sehbehindert“ wird häufig als Synonym verwendet, wobei der Begriff „sehschwach“ als veraltet gilt. Wir sprechen von sehbehinderten Menschen, wenn diese auf dem besseren Auge maximal 30 Prozent sehen. Nach den gesetzlichen Bestimmungen in Deutschland ist ein Mensch blind, wenn er auf dem besseren Auge nicht mehr als zwei Prozent sieht und hochgradig sehbehindert bei einem Sehvermögen von maximal fünf Prozent.

Um welche Hauptthemen ging es in der Veranstaltung in Berlin zum Tag der Sehbehinderten und wie wurden diese umgesetzt?

Paloma Rändel: Wie in vielen Veranstaltungen bundesweit geht es auch bei unserer Infoveranstaltung, die der ABSV und das Blindenhilfswerk Berlin e. V. durchführen, um das Thema Smartphone. Mitglieder unseres Vereins geben ihre Erfahrungen im Umgang mit ihrem Smartphone an interessierte Laien und Einsteiger weiter.
Gleichzeitig finden an dem Tag zwei eintägige Schulungen statt als Teil der Schulungsreihe, die der ABSV seit Beginn des Jahres im Rahmen des Projektes „iWelt“ für sehbehinderte und blinde Einsteiger durchführt. Das Interesse an diesen Schulungen ist groß, Anmeldungen werden gerne noch entgegen genommen.

Was waren Ihrer Meinung nach die Hauptziele der Veranstaltung? Was wollte man erreichen?

Paloma Rändel: Wir wollen sehbehinderten und blinden Menschen Mut machen, sich mit Smartphones zu beschäftigen und nützliche Anwendungsgebiete für sich zu erkennen.

Wie viele Teilnehmer gab es?

Paloma Rändel: Rund 60 Teilnehmer haben an der Infoveranstaltung teilgenommen, je vier Teilnehmer haben sich in den beiden parallel stattfindenden Kursen schulen lassen.

Wie werden derzeit erhältliche modernere Hilfen wie beispielsweise Smartphones bei Sehbehinderten aufgenommen?

Paloma Rändel: Smartphones werden zunehmend auch von sehbehinderten und blinden Menschen „entdeckt“. Die technikaffinen unter ihnen haben längst erkannt, wie sie nicht nur die gängigen Funktionen, wie Telefonieren und Versenden von E-Mails, sondern auch weitere nützliche und gut bedienbare Anwendungen, wie Wegbeschreibungen und Fahrplanansagen sowie die Audiodeskription von Kinofilmen, auf ihrem Smartphone nutzen können. Besonders spannend ist es zudem, die Kamerafunktion als Sehhilfe zu nutzen, indem Speisekarten, Etiketten oder Fahrplandetails abfotografiert und stark vergrößert angezeigt oder mittels Sprachausgabe vorgelesen werden.

Welche Form der Unterstützung würden Sie sich von politischer Seite wünschen?

Paloma Rändel: Sowohl bei der Gesetzgebung als auch bei deren Durchsetzung sollte ein verstärktes Augenmerk auf ein „Design for all“ gerichtet werden. So müssen beispielsweise Blutzuckermessgeräte auch von blinden Nutzern bedient werden können, Busse und Straßenbahnen müssen Liniennummer und Fahrziel ansagen, TV- und Radiogeräte müssen Displayanzeigen auch akustisch angeben usw.

Was hat sich in den vergangenen Jahren im Bereich Mobilität für Sehbehinderte verändert?

Paloma Rändel: Es sind Normen und Richtlinien verabschiedet worden zu Schriften, Kontrasten und zur Gestaltung öffentlicher Straßen, Plätze und Bahnhöfe. Damit sind wichtige Voraussetzungen für eine bessere Orientierung und Mobilität sehbehinderter Menschen geschaffen worden.

Wo sehen Sie die größten Hoffnungen in der zukünftigen Entwicklung von Technologien, die Sehbehinderte unterstützen können?

Paloma Rändel: Große Hoffnungen liegen bei Haushaltsgeräten, die sprachgesteuert funktionieren, beispielsweise bei Waschmaschinen oder Fernsehgeräten.


Von Sabine Will


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