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"Heilungsversuche" an Homosexuellen verstoße gegen Menschenrechte

Veröffentlicht in News & Forschung 11 Dez, 2013

Schlimm genug, dass es im 21. Jahrhundert überhaupt noch ein Thema sein muss, doch der Weltärztebund hat bei der 64. Generalversammlung in der brasilianischen Stadt Fortaleza nun eine Stellungnahme verabschiedet, die "Heilungsversuche" bei homosexuellen Menschen als Verstoß gegen die Menschenrechte betrachtet. Anlass für die Stellungnahme, die von der deutschen Bundesärztekammer in Zusammenarbeit mit britischen und französischen Kollegen erstellt wurde, war eine Kampagne der US-amerikanischen Organisation "Exodus International", wonach sie Homosexuelle "heilen" wollten.

Die Generalversammlung hält in ihrer Stellungnahme ausdrücklich fest, dass Homosexualität als "Natürliche Variation menschlicher Sexualität ohne direkt daraus resultierende schädliche Auswirkungen" betrachtet werden müsse. Zugleich wandte sie sich gegen die noch immer anhaltende Stigmatisierung schwuler und lesbischer Menschen, sowie gegen Diskriminierung und Mobbing.

Konversionstherapien noch immer im Angebot

Weltweit sind noch immer sogenannte "Homo-Heiler" tätig, die Homosexuelle mit Hilfe ihrer "Konversionstherapien" von ihrer Veranlagung "heilen" wollen. Zwar kommen dabei heute nicht mehr wie früher Elektroschocks oder Eisbäder zum Einsatz, doch eine fragwürdige psychologische "Beratung" kann bei den betroffenen jungen Homosexuellen zu schweren psychischen Schäden führen. Schwule und Lesben haben aufgrund der fortführenden Stigmatisierung ohnehin ein höheres Risiko an Depressionen zu erkranken, in Drogen Zuflucht zu suchen oder Selbstmordversuche zu unternehmen.

Wenn schon kein Verbot der "Konversionstherapie" durchgesetzt werden könne, sollten Homo-Heiler zumindest aufgrund der Verletzung der Menschenrechte bestraft werden, so die Weltärztekammer in ihrer Stellungnahme.

Als Vorreiter gilt der US-Bundesstaat Kalifornien, wo Gouverneur Jerry Brown im September 2012 das erste Gesetz überhaupt unterschrieb, das Konversionstherapien bei Minderjährigen verbietet.

Exodus International hat sich aufgelöst

Die Gruppe "Exodus International" galt fast vier Jahrzehnte lang als größter Anti-Gay-Zusammenschluss der Welt. In 19 Ländern waren die Mitglieder aktiv um Homosexuelle mit Hilfe von Therapie und Gottesglauben zu "heilen". Gegründet worden war Exodus International 1976 von Alan Chambers, der auch nach der Auflösung der Gruppe noch für die heilige Ehe eintrat.

Exodus International hatte in den letzten Jahren immer wieder für Schlagzeilen gesorgt, nicht zuletzt durch seinen ehemaligen Vorsitzenden John Paulk. Dieser gab sich selbst als "geheilter Schwuler" aus, der mit einer "Ex-Lesbe" glücklich verheiratet sei - bis er in einer Schwulenbar in Washington ertappt wurde. Auch andere ehemalige Exodus-Chefs hatten irgendwann zugegeben, dass Homosexualität nicht "heilbar" sei, sondern einfach Teil der natürlichen sexuellen Orientierung der Menschen.

Konversionstherapien in Deutschland

Wer nun mit dem Finger auf das bigotte Amerika zeigen will, sollte sich hüten: Auch in Deutschland ist die Konversionstherapie nicht gesetzlich verboten. Erst im April 2013 scheiterte ein Antrag der Grünen im Deutschen Bundestag, Konversionstherapien für minderjährige Homosexuelle zu verbieten, von der damaligen Regierungskoalition aus CDU und FDP abgelehnt worden. Zu den eifrigsten Missionaren gehören das Deutsche Institut für Jugend und Gesellschaft der Ärztin Christl Ruth Vonholdt und der Verein Wüstenstrom aus Baden-Württemberg, ein Ableger der amerikanischen Living Waters-Initiative.

Der Weltärztebund

Der Weltärztebund - World Medical Association (WMA) - ist ein Zusammenschluss der nationalen Ärzteverbände, der 95 nationale Berufsvereinigungen repräsentiert. Zu seinen wichtigsten Aufgaben gehört die Förderung hoher ethischer Standards im Gesundheitsweisen und das Erstellen ethischer Leitlinien. Frühere Stellungsnahmen der WMA befassten sich u.a. mit dem Umgang mit Sterbehilfe, der Gentechnologie oder mit Schwangerschaftsabbrüchen. Der genaue Wortlaut der neuen Stellungnahme zu Homo-Heilern und der Konversionstherapie kann hier http://www.wma.net/en/30publications/10policies/s13/ nachgelesen werden.

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