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Gefahren lauern selbst im Melissengeist: Zahl der alkoholkranken Senioren steigt

Veröffentlicht in News & Forschung 04 Aug, 2014

Das Robert Koch-Institut in Berlin schlug unlängst Alarm: Fast jeder dritte Mann und fast jede fünfte Frau im Alter ab 65 Jahren nimmt riskante Mengen Alkohol zu sich und schadet so der eigenen Gesundheit. Auf diese Gruppe zugeschnittene Therapieangebote sind jedoch noch ausgesprochen selten.

Hemmschwelle niedrig, Schamgefühl hoch

Problematisch ist nach Ansicht der Experten das hohe Schamgefühl in dieser Generation: Selbst wenn den Senioren bewusst wird, dass ihr Alkoholkonsum außer Kontrolle geraten ist, schämen sich die meisten dennoch zu sehr professionelle Hilfe zu suchen. Auf der anderen Seite ist die Hemmschwelle sehr niedrig, wenn es um alkoholische Getränke geht. Ein "Piccolöchen" mit Freundinnen oder ein "Likörchen" zum Kaffee gehört bei älteren Frauen oft dazu und wird auch meist von den Kindern oder dem Pflegepersonal einfach akzeptiert. Das Gleiche gilt für den Rentner, bei dem zum abendlichen Bier auch noch ein Verdauungsschnaps und ein "Nachthupferl" hinzukommen.

Was viele Senioren dabei gar nicht ahnen: Auch in vielen Nahrungsergänzungsmitteln für diese Altersgruppe steckt Alkohol. Im guten alten Klosterfrau Melissengeist zum Beispiel, in Doppelherz und Buerlecithin. Oft gehen diese Kräfte stärkenden Mittelchen auch noch Hand in Hand mit Medikamenten und Schlafmitteln und potenzieren so die Gefahr einer Abhängigkeit.

Ein Glas Wein pro Tag reicht

Das Robert Koch-Institut setzt sehr enge Grenzen als Bewertung an: So sollten Frauen pro Tag nicht mehr als 10 bis 12 Gramm reinen Alkohol einnehmen. Dies entspricht etwa einem kleinen Glas Wein oder einem normalgroßen Glas Bier (0,25l). Es genügt also schon, abends zum Essen ein Glas Wein zu trinken und zusätzlich Stärkungsmittel wie Doppelherz einzunehmen um die gefährliche Grenze zu überschreiten. Bei den Männern wird zwar die doppelte Menge Alkohol erlaubt, doch auch hier reicht dann schon eine Flasche Bier um über das Ziel hinaus zu schießen.

Mit den Schreckensszenarien von torkelnden Damen, die um acht Uhr morgens den ersten Wodka trinken, hat dies wenig zu tun. Dennoch sollten Senioren darauf achten, ob sie auch einmal problemlos einige Tage auf das Bier zum Essen oder den Kirschlikör am Abend verzichten können oder ob sie eine Sucht danach verspüren. Dann ist es Zeit, Hilfe zu suchen. Hilfreich kann auch ein Selbsttest sein, wie ihn die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf ihren Seiten anbietet.

Psychologische Probleme oft die Ursache

Der Beginn der Alkoholsucht verläuft für viele ältere Menschen schleichend. Manche fallen mit Erreichen des Rentenalters in ein tiefes Loch oder wenn der Umzug in ein Pflegeheim unvermeidlich ist - sie fühlen sich dann nicht mehr gebraucht und suchen Trost im Alkohol. Auch der Verlust des Partners und ein Gefühl der Einsamkeit lassen viele zur Flasche greifen. Zu Hilfe kommt ihnen dabei die Tatsache, dass sie kaum noch Situationen ausgesetzt sind, in denen Nüchternheit zwingend erforderlich ist, wie zum Beispiel am Arbeitsplatz oder am Steuer. Drückt dann auch noch das Pflegepersonal oder die Tochter ein Auge zu, wenn "Omi wieder mal am Eierlikör sitzt", ist es oft nicht mehr weit bis zur Sucht.


Von Nicole Freialdenhoven


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