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Asthma bei Babys, Kindern und Jugendlichen

Leider ist Asthma bei Kindern die häufigste nicht-ansteckende Krankheit. Wenn Kinder bereits in jungen Jahren von chronischen Lungenbeschwerden betroffen sind, dann ist eine sorgsame Therapie besonders wichtig. Eltern können allerdings in einer Hinsicht beruhigt sein: Oftmals legt sich Asthma bei Kindern bis zum Schuleintritt wieder, es bestehen also im Vergleich zu Erwachsenen deutlich bessere Heilungschancen.

Die Erkrankung Asthma bronchiale gehört zu den häufigsten chronischen Erkrankungen im Kindesalter. Fast jedes zehnte Kind ist in Deutschland betroffen. Die Erkrankung lässt sich jedoch dementsprechend gut durch eine frühzeitige und konsequente Behandlung sowie durch eine regelmäßige Betreuung durch einen Facharzt behandeln.

Definition & Häufigkeit von Kindheitsasthma

Als Asthma bronchiale wird eine Erkrankung der Atemwege bezeichnet, die zu pfeifender Atmung, Hustenanfällen und Atemnot führt. Dabei treten die Beschwerden anfallsartig auf, die manchmal lebensbedrohlich sein können. Es gibt zwei Formen von Asthma im Kindesalter: das extrinsische (allergisches Asthma) und das intrinsische (nicht-allergisches Asthma). Beide Formen können auch gemeinsam auftreten, während die intrinsische Komponente im weiteren Verlauf der Erkrankung überwiegt.

Der Deutsche Lungeninformationsdienst geht davon aus, dass in Deutschland etwa 10% der Kinder unter 15 Jahren von Asthma betroffen sind, in 70% der Fälle bricht die Erkrankung sogar schon vor dem fünften Lebensjahr aus.

Die International Study of Asthma and Allergy in Childhood (ISAAC) konnte erstmals einen Ländervergleich durchführen – Deutschland liegt dabei innerhalb der EU im Bereich der an Asthma erkrankten Kinder auf Platz 11, der Weltdurchschnitt liegt bei 14%.

Experten schätzen außerdem, dass die Symptome bei etwa der Hälfte der Kinder vor dem siebten Lebensjahr wieder abklingen, während sie bei der anderen Hälfte chronisch werden, wodurch die Erkrankung auch im Erwachsenenalter noch vorhanden ist.

Medizinische Studien konnten beobachten, dass Jungen etwa 1,5 bis 2 mal häufiger an Asthma erkranken, als Mädchen. Mit fortschreitendem Alter gleicht sich dieser Unterschied allerdings wieder aus, im Erwachsenenalter erkranken sogar mehr Frauen als Männer. Ärzte vermuten, dass Jungen eher dazu neigen überempfindliche Atemwege zu haben als Mädchen.


Lebenszeit- und 12-Monats-Prävalenz von Asthma bei 0- bis 17-jährigen Jungen in Deutschland

Asthma bei Jungen in Deutschland

Quelle: statista.com



Am häufigsten tritt das Asthma im Kindesalter in Neuseeland, Australien und Großbritannien auf. In osteuropäischen Regionen und Entwicklungsländern eher selten. In den 70er bis 90er Jahren hatte die Häufigkeit von Asthma bei Kindern weltweit zugenommen, aktuell ist dieser Aufwärtstrend nicht mehr gegeben.

Leider können auch Babys an Asthma erkranken. Bestimmte Risikofaktoren bewirken nämlich, dass die Kleinen deutlich anfälliger für Atemwegsinfektionen sind, die im schlimmsten Fall zu einer Atemwegserkrankung führen können. Typische Symptome sind Röcheln, erschwertes Atmen und Schlafstörungen. Da es für Babys nicht möglich ist die Wirkstoffe über gewöhnliche Inhalatoren aufzunehmen, wird ihnen oftmals stattdessen ein Sirup verschrieben. Dieser hemmt Entzündungen und kann sehr beruhigend auf die Lungen wirken.

Betrachtet man die Statistiken, dann zeigt sich leider ganz deutlich, dass die Anzahl der Asthma-Erkrankungen bei Kindern genauso wie bei Erwachsenen schon seit mehreren Jahrzehnten stetig zunimmt. Gerade in den vergangenen Jahrzehnten war der Anstieg an Neuerkrankungen in den Industrienationen besonders stark. Den anhaltenden Trend der Neuerkrankungen sehen Experten unter anderem in Zusammenhang mit der erhöhten Feinstaubbelastung, die sich nachweislich negativ auf die Atemwege auswirkt.

Ursachen & Risikofaktoren von Asthma bei Kindern

Ursachen

Die Ursache für ein Asthma ist auch bei Kindern die Überempfindlichkeit der Bronchialschleimhaut. Bei einem Asthmaanfall schwillt diese an, während sich die Muskulatur der Bronchien verkrampft. Das hat zur Folge, dass sich die Bronchien noch weiter verengen, deren Öffnungen mit eingedicktem Schleim verstopft sind. 50 bis 70 % der Fälle von Asthma im Kindesalter werden durch eine Allergie ausgelöst, die dementsprechend zu einem allergischen Asthma führen. Diese Asthmaform tritt vor allem familiär gehäuft auf.

Auslöser für Asthma bei Kindern können zum Beispiel folgende sein:

  • Infekte durch Bakterien, Viren oder andere Erreger
  • Allergene durch Hausstaubmilben, Pollen, Nahrungsmittel, Schimmelpilzsporen oder Tierepithelien
  • Reizstoffe wie Sprays, Tabakrauch, starke Düfte, kalte Luft, Koch- und Bratendüfte oder andere Düfte
  • Stäube im Umfeld
  • psychische Ereignisse wie Anstrengung oder Stress
  • Rückfluss von Magensaft in die Speiseröhre (gastroösophagealer Reflux)
  • Arzneimittel wie zum Beispiel Acetylsalicylsäure (ASS) bei ASS-Intoleranz

Schon bei der Geburt zeichnet sich ab, ob ein Kind an Asthma erkrankt. Denn Neugeborene, die über eine große Menge Ig E-Antikörper (Immunglobuline) in ihrer Nabelschnur verfügen, erkranken dreimal häufiger an Asthma bronchiale.

Bereits in der 12. Schwangerschaftswoche können sogar Abwehrreaktionen des Fötus gegen bestimmte Allergene auftreten. Ebenso wirkt sich der Übertritt von Immunzellen, Stoffwechselprodukten und Stresshormonen aus dem mütterlichen Blut auf die Atemwegsgesundheit des Fötus aus.

Risikofaktoren

Die genauen Ursachen der häufigen Atemwegserkrankungen von Kindern können häufig nicht eindeutig identifiziert werden. Man weiß heute allerdings, dass es eine Reihe von Risikofaktoren gibt, die eine Erkrankung deutlich wahrscheinlicher machen können.

Ein wichtiger Faktor ist beispielsweise die Ernährung des Kindes selbst und die der Mutter während der Schwangerschaft. Nährstoffmangelerscheinungen oder Pestizide können den Organismus und das Immunsystem des Babys bzw. des Kindes so sehr belasten, dass es anfälliger für Entzündungen wird.

Weiterhin konnten Studien nachweisen dass Babys, die per Kaiserschnitt zur Welt kommen, ein höheres Risiko haben an Allergien oder direkt an Asthma zu erkranken.

Zu den wesentlichen Risikofaktoren zählen außerdem:

  • Hygiene: Asthma bei Kindern kann zum Beispiel durch zu viel Hygiene gefördert werden
  • Luftverschmutzung: Jedoch besteht ein ebenso hohes Asthmarisiko durch eine hohe Luftverschmutzung aufgrund der Nähe viel befahrener Straßen. Denn in ländlichen Regionen tritt Asthma im Kindesalter wesentlich seltener auf, als ich städtischen Gebieten
  • Schwaches Immunsystem / Immunschutz: Kinder aus Bauernfamilien scheinen einen besseren Immunschutz aufbauen zu können, da sie mit verschiedenen Keimen in Kontakt kommen. Daher ist das Risiko für eine allergische Überempfindlichkeit bei diesen Kindern um ein Drittel geringer als für die Kinder, die nicht auf dem Bauernhof, aber im selben Dorf leben
  • Geburt: Risikofaktoren können schon bei der Geburt auftreten, wie beispielsweise ein zu geringes Geburtsgewicht oder eine zu frühe Geburt

Weitere Risikofaktoren:

  • Passivrauchen der Eltern
  • Bronchitis der Mutter während der Schwangerschaft
  • Rauchen während der Schwangerschaft
  • Respiratorisches Synzytialvirus (RSV)
  • bakterielle Infekte im Babyalter

Symptome und Beschwerden

Als erstes Anzeichen treten bei Säuglingen und Kleinkindern Atembeschwerden aufgrund einer Atemwegsinfektion auf. Dabei muss noch keine Überempfindlichkeit oder chronische Entzündung der Bronchialschleimhaut vorliegen.

Ursprüngliche Einteilung in Asthma-Schweregrade

Gemäß den nationalen Versorgungsleitlinien (NVL) und den GINA-Leitlinien wurde Asthma bis Ende 2008 in vier Schweregrade eingeteilt und erfolgte anhand von Symptomen, der Variabilität der Lungenfunktion und des Ausmaßes der Atemwegsobstruktion:

Grad I - intermittierendes Asthma:

  • weitgehend normale Lungenfunktion vorhanden
  • Symptome seltener als einmal in der Woche
  • leichte Atemnot und gelegentliches Husten
  • kaum Beschwerden in der Nacht

Grad II - geringgradig persistierendes Asthma:

  • bis zu einmal täglich Symptome vorhanden
  • teilweise Einschränkung der körperlichen Aktivität
  • nächtliche Beschwerden mehrmals im Monat

Grad III - mittelgradig persistierendes Asthma:

  • Symptome treten täglich auf
  • eingeschränkte Lungenfunktion
  • nächtliche Beschwerden öfter als einmal in der Woche

Grad IV - schwergradig persistierendes Asthma:

  • anhaltende Beschwerden
  • häufig nächtliche Symptome
  • starke Einschränkung der Lungenfunktion
  • Einschränkungen körperlicher Aktivitäten

Neue Einteilung nach Beurteilung der Asthmakontrolle

Diese Einteilung nach Beurteilung der Asthmakontrolle ist für eine langfristige Verlaufskontrolle sowie als Grundlage für eine Therapie besser geeignet. Diese Einteilung ersetzt seit 2009 die alte Klassifikation (Grad I bis IV).

Die 3 Stufen zur Einteilung von Asthma:

  • kontrolliertes Asthma
  • teilweise kontrolliertes Asthma
  • unkontrolliertes Asthma

Diagnostik

Allgemeine Diagnostik

Die Diagnose von Asthma bei Kindern ergibt sich meistens aus Schilderungen und Anamneseberichten (Zusammenfassung der Leidensgeschichte eines Patienten, meist als Bestandteil einer Untersuchung) über typische wiederkehrende Beschwerden des Kindes, wie zum Beispiel brummende oder pfeifende Geräusche während der Atmung und, ob es in der Familie Allergie- und Asthmaerkrankungen gibt. Außerdem wird eine körperliche Untersuchung durchgeführt. Durch die Inspektion des Brustkorbs sowie das Abhören der Lunge können Anzeichen auf Atemnot wie Einziehungen zwischen den Rippen oder pfeifende Atemgeräusche festgestellt werden.

Bei Kindern Asthma zu diagnostizieren ist nicht immer einfach, da es zum Beispiel unterschiedliche Krankheiten mit ähnlichen Symptomen gibt. So hatte etwa jedes zweite Kind bis zu seinem 6. Lebensjahr eine obstruktive Bronchitis – hier kann es sich um einen Vorboten von Asthma handeln, allerdings kann es auch sein, dass die Lungen wieder vollständig ausheilen. Wie bei Erwachsenen auch ist es natürlich besonders wichtig, dass eine Erkrankung möglichst schnell erkannt wird. So können langfristige Schäden an den Lungen vermieden werden, was auch für die allgemeine Entwicklung des Kindes wichtig ist.

Diagnose bei älteren Kindern

Sofern es möglich ist, wird bei älteren Kindern eine Lungenfunktionsmessung mittels Spirometer durchgeführt. Ist dies nicht möglich, erfolgt alternativ eine Ganzkörperplethysmografie. Hierbei muss das Kind weniger selbst mitarbeiten.

Bei Babys und Kleinkindern

Bei Babys und kleinen Kindern kann sich die Diagnose größtenteils nur auf die klinischen Symptome und die Anamnese stützen, da die Überprüfung der Lungenfunktion nicht möglich ist. Es wird eine genaue Beobachtung des Krankheitsverlaufes durchgeführt, um zu sehen, wie das Kind auf die verordnete Therapie anspricht. Somit kann die Diagnose besser gefestigt werden. Eine Ganzkörperplethysmographie (auch Bodyplethysmographie; Test der Lungenfunktion anhand des Atemwegswiderstands) ist ebenso möglich.

Therapie & Vorbeugung von Asthma bei Kindern

Therapie

Das wichtigste Ziel der Asthmatherapie ist, dass die betroffenen Kinder beschwerdefrei werden. Weiterhin sollte die Erkrankung ihre geistige, psychische und physische Entwicklung nicht behindern.

Die Behandlung wird im Normalfall mit einer Kombination aus nicht-medikamentösen und medikamentösen Maßnahmen durchgeführt. Zu den nicht-medikamentösen Behandlungen zählen zum Beispiel Atemschulung und Sport.

Je nach Schweregrad des Asthmas werden während der medikamentösen Maßnahmen verschiedene Medikamente (Entzündungshemmer und Medikamente zur Erweiterung der Bronchien) eingesetzt. Ein bekanntes Bronchien erweiterndes Mittel mit Langzeitwirkung ist zum Beispiel Theophyllin. Entzündungsreaktionen werden hingegen von kortisonhaltigen Sprays gebremst. Als Langzeitbehandlung hat sich bei Kindern mit Asthma auch Salbutamol bewährt und wird in vielen klinischen Studien angewandt. Zudem sind alternative Heilmethoden wie zum Beispiel Akupunktur komplementär anwendbar.

Vorbeugung

Eine sichere und ausgereifte Vorbeugungsmethode für Asthma bronchiale im Kindesalter gibt es nicht. Jedoch wirken folgende Verhaltensweisen bei der Verminderung des Erkrankungsrisikos unterstützend:

  • Kind sofort bei Verdacht auf Allergie untersuchen lassen
  • Vermeidung von Staub, schadstoffhaltiger Luft und kalter Luft
  • Kinder keinem Zigarettenrauch aussetzen
  • Atemwegsinfekte vorbeugen
  • bei bestehender Hausstaubmilbenallergie spezielle Bettüberzüge nutzen
  • bei starkem Pollenflug im Haus bleiben
  • bei bestehendem Asthma jährliche Grippeimpfung vornehmen

Weiterhin ist heute bekannt, dass sich Stillen positiv auf die Gesundheit des Babys auswirkt und sogar das Risiko einer Asthmaerkrankung mindern kann. Forscher an der Universität Bern haben Daten zur Lungengröße von 1.400 englischen Schulkindern ausgewertet und stellten fest, dass das Lungenvolumen der Kinder, die gestillt wurden, im Schnitt etwa 180 ml größer ist. Dementsprechend ist auch die Selbstheilungsfähigkeit der Lungen stärker ausgeprägt, was die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung mindert.

Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2013 ergab darüber hinaus, dass Probiotika das Allergierisiko senken können. Es wurden hierbei 25 Studien mit insgesamt 4031 Probanden einbezogen. Es werden jedoch noch weitere Analysen unternommen und eindeutigere Resultate zu erlangen.

Gerade Eltern, die selbst an Asthma leiden und damit ein erhöhtes Erkrankungsrisiko vererben können, sollten besonders auf bestimmte Faktoren achten, um einer Atemwegserkrankung des Nachwuchses vorzubeugen. Beispielsweise sollten Rauch, kalte Luft, Hausstaub, Milben und Pollen so gut es geht gemieden werden.

Gerade Nikotinkonsum während der Schwangerschaft, kann die Lungenentwicklung des Kindes beeinträchtigen. Passivrauchen in Gegenwart von Kindern kann das Krankheitsrisiko von Asthma deutlich fördern, sodass man hierauf am besten ganz verzichten sollte. Weiterhin ist es sinnvoll die Umgebung des Kindes und das Kinderzimmer auf eventuelle Allergene zu untersuchen und diese gegebenenfalls durch antiallergenes Spielzeug, Kleidung und Gegenstände zu ersetzen.

Auch kleinere Infektionen sollten gerade bei Babys in jedem Fall ärztlich behandelt werden, da es sonst eher zu chronischen Erkrankungen kommen kann. Lassen Sie sich zu den empfohlenen Impfungen beraten und halten Sie den Impfpass Ihres Kindes auf dem neuesten Stand.


Quellen:

  1. Sabina Ahmad et al. (2014): Prevalence Of Indoor Allergies, Asthma Severity, And Asthma Control In Inner-City Asthmatic Children And Adolescents, in: American Thoracic Society International Conference Abstracts > A34. CLINICAL ASTHMA II, pp. A1381-A1381 atsjournals.org
  2. Apotheken.de (2012): Stillen beugt Asthma vor: Gestillte Kinder haben größere Lunge, URL: apotheken.de, abgerufen am 09.12.2015
  3. Visser R. et al. (2015): Reversibility of pulmonary function after inhaling salbutamol in different doses and body postures in asthmatic children, in: Respiratory Medicine, 2015 Oct;109(10):1274-9, nlm.nih.gov
  4. Martin Depner et al. (2015): Clinical and Epidemiologic Phenotypes of Childhood Asthma, in: American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine, Vol. 189, No. 2 (2014), pp. 129-138, atsjournals.org
  5. Kelly J. Brunst et al. (2015): Timing and Duration of Traffic-related Air Pollution Exposure and the Risk for Childhood Wheeze and Asthma, in: American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine, Vol. 192, No. 4 (2015), pp. 421-427, atsjournals.org

Stand der Aktualisierung: 10.12.2015

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